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JAGDRECHT

Jagdrecht, Mai 2019

Wenn sich zwei streiten, ... gewinnen beide!

Auch im Jagdwesen kommt es leider immer wieder zu Konflikten, sei es durch revierinterne Streitigkeiten oder durch Kontroversen mit den Reviernachbarn. Mit einer professionellen Konflikthilfe können hier Probleme behoben werden.

Elisabeth Schlemper, MSc

Jäger Hans H. erschoss an einem Samstagmorgen den Bullterrier von Paul S. während eines An­sitzes. Daraufhin erstattete Hans H. wutentbrannt Anzeige bei der Bezirksverwaltungsbehörde wegen illegalen Abschusses seines Hundes und forderte Schadenersatz. Hans H., seines Zeichens Jäger im Revier T., hatte den Hund von Paul S. bereits mehrmals beim ­Wildern beobachtet und Paul S. darauf hingewiesen.

Nachdem die beiden Rechtsberatung in Anspruch genommen hatten, stellte sich heraus, dass Paul S. den Hund nach dem Hundehaltergesetz nicht ordnungsgemäß verwahrt und somit rechtswidrig gehandelt hatte. Hans H. jedoch war als Jagdgast weder Jagd­ausübungsberechtigter noch beeidetes Jagdschutzorgan und daher nicht befugt, den wildernden Hund zu töten. Eine gerichtliche Auseinandersetzung würde für die beiden Parteien recht­liche Folgen nach sich ziehen. Eine außer­gerichtliche Klärung blieb ebenfalls aus. Die beiden gerieten in der Folge bei den kleinsten Gelegenheiten immer wieder aneinander, und mit der Zeit verhärteten sich die Fronten ­zu­nehmend. Ärger und Wut breiteten sich auch auf die Familien aus, und plötzlich litt die Lebensqualität von ­Familien und Freunden unter dem nicht enden wollenden Konflikt. 

Mediation als Ausweg
Die Konfliktaustragung vor Gericht ohne Rechtsschutzversicherung würde einerseits viel Geld kosten, andererseits könnte Jäger Hans H. im schlimmsten Fall seine Jagdkarte verlieren und Paul S. eine Anzeige wegen Missachtung ­seiner Pflichten gemäß Hundehalter­gesetz und demnach keine Schaden­ersatzzahlungen bekommen. Nach Empfehlung einer Bekannten entschlossen sich die beiden, den Ausgang ihrer Auseinandersetzung selbst in die Hand zu nehmen und wandten sich an eine Mediatorin. Es wurde gemeinsam ein Termin für eine erste Sitzung gefunden, die an einem neutralen Ort stattfand. Dieser Weg war für beide Beteiligten kein leichter. Gemischte Gefühle und anfängliche Ungewissheit, was den Ausgang des ersten Gesprächs anbelangt, machten sich breit. Die Wut und der Ärger der beiden, resultierend aus dem eskalierten und seit Langem schwelenden Streit, wurde jedoch von dem Wunsch übertroffen, den Konflikt ­endlich beilegen zu können. Die Media­torin informierte zu Beginn über die Ziele einer Mediation und klärte in Absprache mit den Beteiligten den Ablauf sowie die Vorgehensweise. Im Anschluss daran folgten sogleich die persönlichen Erläuterungen von Hans H. und Paul S. Die beiden Männer hatten die Möglichkeit, nacheinander ungestört die für sie wesentlichen Punkte des Konflikts aus ihrer Sicht zu ­schildern. Man konnte spüren, wie befreiend es für die Anwesenden war, dem schon lange brodelnden Streit Raum zu geben. Durch den vertraulichen und verschwiegenen Rahmen des Gesprächs und die Unterstützung der Mediatorin begann sich die Situation allmählich zu entspannen. Im Laufe des Gesprächs kamen viele Details und Missverständnisse zum Vorschein, die durch diese Aussprache überhaupt erst aufge­griffen werden konnten. Während ­dieses Prozesses konnte ein immer ­besseres Verständnis zwischen den ­Beteiligten geschaffen sowie auf die Bedürf­nisse und zukünftigen Wünsche eingegangen werden.  

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Artikel in der aktuellen Ausgabe ab Seite 50. 

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