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JAGDRECHT

Jagdrecht, August 2019

Wildschaden: was nun?

Trotz intensiver Bemühungen des Jagdausübungs­berechtigten lassen sich Wildschäden oft nicht vermeiden. Das Vorgehen in einem solchen Fall regelt das NÖ Jagdgesetz.
 

Mag. Sylvia Scherhaufer

Um Wildschäden zu vermeiden oder möglichst gering zu halten, sind ein regelmäßiger Kontakt und eine gute ­Gesprächsbasis zwischen Jägern und Grundeigentümern essenziell. Beide Seiten sollten sich im Idealfall gegenseitig unterstützen. Dennoch können Wildschäden auftreten, bei welchen die Einleitung eines Wildschadens­verfahrens notwendig ist, um zu einer Einigung zu kommen.
Gemäß NÖ Jagdgesetz trifft den Jagdausübungsberechtigten die Verpflichtung, in seinem Jagdgebiet den an Grund und Boden, an den land- und forstwirtschaftlichen Kulturen oder an deren noch nicht einge­brachten ­Erzeugnissen verursachten Jagd- und Wildschaden zu ersetzen. Als Jagd­schaden gilt ein Schaden dann, wenn er bei der Ausübung der Jagd verursacht worden ist. Ein Wildschaden liegt nach geltendem Recht dann vor, wenn der Schaden einerseits durch jagdbares Wild ver­ursacht worden ist und andererseits auf Grundstücken eintritt, auf denen die Jagd nicht ruht. Die Jagd ruht auf Friedhöfen, in Häusern und Gehöften samt den dazu­gehörigen, durch Einzäunung vollständig abgeschlossenen Höfen und Hausgärten, auf Flächen, in denen Gehege zur Fleischgewinnung, Schau- und Zuchtgehege betrieben werden sowie auf öffentlichen Anlagen. Der Jagdausübungsberechtigte ist somit ersatzpflichtig für alle Schäden an land- und forstwirtschaftlichen Kultu­ren, gleichgültig, ob es sich um Ackerflächen, Wiesen oder Weingärten handelt. Siloballen, die am Feld ge­lagert werden, gelten allerdings bereits als eingebracht. Schäden an diesen sind daher nicht durch den Jagd­ausübungs­berechtigten zu ersetzen. Nicht ersatzfähig sind darüber hinaus Schäden, die zum Beispiel Füchse an Geflügel anrichten, da Schäden an Nutz- und Zuchttieren nicht als Wildschaden im Sinne des NÖ Jagd­gesetzes gelten.

Wertvolle Anpflanzungen
Wildschäden an gartenartig bewirtschafteten Grundstücken sowie an ­folgenden Kulturen müssen nur dann ersetzt werden, wenn der Besitzer ­vergeblich versucht hat, Vorkehrungen zu treffen, durch die solche An­pflanzungen üblicherweise geschützt werden: Obst-, Gemüse- und Zier­gärten, Baumschulen, Rebschulen, Christ­baum­kulturen, Forstgärten, einzel­stehende Bäume sowie landfremde Baumarten mit Ausnahme von Douglasie, Großer Küstentanne, Roteiche, Robinie, Schwarz­nuss sowie Hybridpappel. Unter „Vorkehrungen“ versteht der Landesgesetzgeber das Einfrieden des Grundstückes oder das Umkleiden der Stämme mit Baumkörben, Stroh, Schilf oder anderen Materialien. Sollte auch das Astwerk durch Wild gefährdet sein, muss der gesamte Baum umfriedet werden.

Fristen und Verfahrensablauf
Jagd- und Wildschäden müssen vom Geschädigten binnen zwei Wochen ab Kenntnis des Schadens bei Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen sowie binnen vier Wochen bei Schäden im Wald beim Jagdausübungs­berechtigten geltend gemacht werden. Werden solche Schäden erst verspätet geltend gemacht, zieht dies den Verlust des Schaden­ersatzanspruches des Ge­schädigten nach sich. Kommt innerhalb von zwei Wochen nach Geltendmachung der Schäden ein Vergleich über den Schaden zwischen Jagdausübungsberechtigten und Geschädigten zustande, endet das Ver­fahren durch Vergleich. Kommt innerhalb dieser Frist ein Vergleich nicht zustande, muss der Geschädigte binnen zwei Wochen nach Ablauf der zwei­wöchigen Vergleichsfrist seinen Anspruch auf Schadenersatz bei der örtlich zuständigen Bezirks­verwaltungs­behörde anmelden und den Schaden ziffern­mäßig bezeichnen. Bezirksverwaltungsbehörden sind die zuständigen Bezirkshauptmannschaften sowie die Magis­trate in den Städten mit eigenem Statut. Kann der Schaden erst zum Zeitpunkt der Ernte festgestellt werden, muss ­zumindest seine voraussichtliche Höhe angeschätzt werden.

Schlichter
Die Bezirksverwaltungsbehörde hat einen geeigneten Schlichter zu be­stimmen und muss diesem den Entschädigungsantrag zuweisen. Sodann muss der Schlichter binnen zwei ­Wochen nach Betrauung des Falles durch die  Bezirksverwaltungs-behörde einen Lokal­augenschein durchführen und vorher den Jagdausübungs-berechtigten und den Geschädigten in schriftlicher Form davon verständigen.

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Artikel in der aktuellen Ausgabe ab Seite 42. 

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