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IM FOKUS

Im Fokus, Februar 2018

Fischzucht unter Druck

Schon vor vielen Hundert Jahren wurden speziell im Waldviertel Teiche zum Zweck der Fischzucht errichtet. Diese sind ein prägendes und nicht mehr wegzudenkendes Landschaftselement einer ganzen Region geworden. – Nun stehen sie durch fischfressende Arten unter Druck ...

Florian Kainz

Fischteiche haben eine wichtige Funktion auf dem Gebiet des Naturschutzes: Sie sind sozusagen eine Oase für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten. 
Die Teichwirte leisten einen wertvollen Beitrag für den Naturschutz und machen das auch gerne, solange das in einem erträglichen Ausmaß stattfindet. Die Waldviertler Teiche sind das wichtigste Brutgebiet der streng geschützten Seeadler in Österreich, aber auch andere fischfressende Vogelarten finden an diesen Fischteichen einen opti­malen Lebensraum, wie etwa Haubentaucher, Zwergtaucher, Graureiher, Silberreiher, Seidenreiher und Eisvogel. Besonders problematisch können Kormorane werden, die imstande sind, Gewässer annähernd leer zu fressen, wenn sie plötzlich in Schwärmen von 100 Exemplaren oder mehr erscheinen.  Auch die Reiher sind nicht zu unterschätzen, sie fressen unter anderem gerne die für den Teichwirt wertvollen und aufwendig gezüchteten Zander, die einen vielfachen Verkaufspreis der Karpfen haben. 2017 hatten wir übrigens in einer einzigen Bucht unseres größten Teiches 10 erfolg­reiche Haubentaucherbruten. – Das sind allein schon an die 50 Individuen, die sich allesamt von Fischen ernähren!
Dem noch vor einigen Jahrzehnten vom Aussterben bedrohten Fisch­otter kommen die Fischteiche ebenfalls sehr entgegen, der Bestand dieses marder­artigen Säugetieres konnte sich gut erholen, im Grunde eine erfreuliche Tat­sache. Allerdings ist es durch das reiche Nahrungsangebot in den Teichen zu einer Überpopulation gekommen. In der Folge ist die Produktion des überaus gesunden und nachhaltig gezüchteten Nahrungsmittels Fisch – vor allem Karpfen – ernsthaft ge­fährdet.

Teiche als Lebensraum 
Im Waldviertel gibt es kein einziges natürlich entstandenes, stehendes Gewässer. Würde man die vom Menschen geschaffenen Teiche – im Waldviertel sind es an die 1.000 – wegrechnen, blieben nur noch die Fließgewässer als natürlicher Lebensraum für den Fisch­otter übrig. Das heißt, anders ausgedrückt, ohne Teiche wäre die Fisch­otterpopulation im Waldviertel vielleicht bei 5% ihres momentanen Standes. Das entspricht dann auch etwa dem natürlichen Bestand vor dem Bau der Teiche. Diese wurden und werden zum Zweck der Fisch­produktion errichtet und können nur erhalten bleiben, wenn die Fischzucht rentabel ist.
Bei kleineren Teichen sind Fisch­otter in der Lage, diese schon im Sommer regelrecht leer zu fischen. Es gibt zwar zum Teil geförderte Maß­nahmen wie Zäune, um das Problem einzudämmen, allerdings wird der laufende Betrieb dadurch teurer und aufwendiger. Barrieren in der Natur zu schaffen, ist grundsätzlich nicht erstrebenswert – zum Beispiel wegen der Behinderung der Krötenwanderung ...

Artikel in der aktuellen Ausgabe auf Seite 24. 

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