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IM FOKUS

Im Fokus, August 2019

Angebirscht

Die neue WEIDWERK-Serie - Teil 5: Wildgänse.

Oliver Deck, MSc 

Im August beginnt die Schusszeit der Graugänse im Osten Österreichs (Burgenland, Niederösterreich, Wien). Bevor wir jedoch am Ganslstrich ansitzen, machen wir noch einen Birschgang durch das Leben der Graugans und werfen dabei auch einen Blick auf weitere in Österreich vor­kommende Gänse­arten.


Graugans
Die Graugans (Anser anser)  ist eine der bekanntesten Gänsearten in unseren Breiten. Wie bei den meisten Gänse­arten sind auch hier die Geschlechter farblich nicht zu unterscheiden. Der Ganter ist lediglich etwas größer und schwerer als die Gans. Beide sind grau und haben einen hellrosa-orangen Schnabel sowie rosa Latschen. Während die Graugans bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts noch ein Zugvogel war, der in großen Scharen  in Spanien und Nordafrika (Algerien und Tunesien) überwintert hat, verbringen viele der Vögel den Winter inzwischen auch in Mitteleuropa. Am Neusiedler See kann man diese Art beispielsweise das ganze Jahr über beobachten. Die Vögel, die in den Süden ziehen, kommen im Februar und März wieder in ihre Brutgebiete zurück.
Die Paarbildung, bei der die Männchen gegenüber Konkurrenten sehr aggressiv sind , ist bereits im Herbst erfolgt, sodass die Paare ohne Balz ­direkt zur Fortpflanzung übergehen können. Das ist vor allem bei jenen Gänsearten wichtig, die nahe des Polarkreises brüten, wo jede Woche des ­kurzen Sommers zählt und für die Jungenaufzucht genutzt wird. Die Reihzeit wird durch den Ganter eingeleitet. Legt sich die Gans mit hochaufgerecktem Kopf ins Wasser, ist dies die Aufforderung zur Kopulation . Abgeschlossen wird dieser Akt durch gemeinsames Flügelschlagen, Putzen und Ausstoßen von Rufen . Nach diesem stark rituali­sierten Vorgang werden die Eier gelegt, aus denen ab April die Gössel schlüpfen. Anders als beim Fasan beteiligen sich bei der Graugans die Männchen an Brut und Jungenaufzucht, indem sie ihr brütendes Weibchen und anschließend auch den Nachwuchs be­wachen.
Eine Gänsefamilie (Schof) wird in der Regel von der Gans angeführt, gefolgt von ihren Gösseln und schließlich dem Ganter . Beginnend mit der ­Jungenaufzucht mausern die Elterntiere. Nicht brütende Vögel suchen hierfür im Juni ungestörte, traditionelle Mauser­plätze auf. Gemausert wird meist in Gruppen, da mehr Augen besser wahrnehmen, wenn sich in dieser Zeit der Flugunfähigkeit ein Prädator anbirscht. Das Ende der Mauser ist mit dem Flüggewerden der Gössel zeitlich gut abgestimmt. Im Juli finden sich dann die für die Brut abgesonderten Familienverbände wieder mit den anderen Vögeln zusammen und treffen einander auf traditionellen Sommersammel­plätzen, bevor im Herbst ein Teil der Vögel wieder in die Winterquartiere nach Süden aufbricht. Bei den Römern waren Graugänse übrigens heilig, da sie 390 v. Chr. vor einem Angriff der Gallier auf Rom gewarnt haben sollen.

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Artikel in der aktuellen Ausgabe ab Seite 22. 

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