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IM FOKUS

Im Fokus, Jnner 2020

Angebirscht

Für Jäger und Naturinteressierte bietet jeder Monat des Jahres seine Highlights. Während manche Naturschauspiele, wie Brunft oder Balz, meist recht spektakulär ablaufen, gibt es auch zahlreiche Details, die uns auf den ersten Blick verborgen ­bleiben. Zeit, diese vor den Vorhang zu holen. – 10. Teil: Steinwild.

Oliver Deck, MSc 

Kehren wir nach dem Abstecher zum Schwarzwild wieder ins Gebirge zurück. Etwas später als das Gams­wild ist das Steinwild mit der Brunft dran. Diese hatte ihren Höhe­punkt im Dezember und klingt im Jänner bereits wieder aus. Im Gegen­satz zum Gamswild, das dem aufmerksamen Beobachter wilde Hetzjagden bietet, verläuft die Brunft des Stein­wildes wesentlich ruhiger, da sich die Böcke ihre Rangordnung bereits im vergangenen Sommer und Herbst aus­gemacht haben.

Sonnenbad im Winter
In den kalten Monaten suchen die Tiere steile, sonnige Südhänge auf, da der Schnee dort schneller schmilzt und abrutscht. Diese Flächen sind aus drei Gründen wichtig:

Erstens ist auf den ausgeaperten beziehungsweise vom Wind freige­wehten Flächen die Nahrungssuche ein­facher. Zweitens kommt das Steinwild durch seinen kompakten Körperbau und die kurzen Läufe mit großen Schnee­mengen nicht sehr gut zurecht. Und drittens wird durch die Sonneneinstrahlung der Kreislauf angekurbelt. Ähnlich wie bei ektothermen („wechselwarmen“) Reptilien wird die Aktivität des Steinwildes im Winter durch die Sonneneinstrahlung beeinflusst. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich Steinwild in der kalten Jahreszeit über Nacht stark auskühlen lässt. Erst mit Sonnenaufgang steigt die Körpertemperatur und damit die Aktivität wieder an (WEIDWERK 1/2013, Seite 10). Dies ist in dem hochalpinen Lebenraum, in dem das Steinwild lebt, ein überlebenswichtiger Mechanismus, um den Winter zu überstehen. Außer Frage steht dabei jedoch, dass es hierfür ­absolute Ruhe braucht und Störungen zu vermeiden sind! 

Fahlwild
Nach der Brunft lösen sich die gemischt­geschlechtlichen Rudel auf, auch wenn die Winterlebensräume noch von beiden Geschlechtern gemeinsam genutzt ­werden. Nur ein- bis zweijährige Böcke bleiben noch bei den Geißen in den Scharwildrudeln. Nun beginnen auch die Hörner wieder zu wachsen. Wie beim Gamswild tragen beim Steinwild beide Geschlechter Stirnwaffen, die nicht abgeworfen ­werden und ein Leben lang weiterwachsen. Sie können im Laufe eines Steinwildlebens bei den Geißen bis etwa 30 cm und bei den Böcken bis zu 100 cm lang werden. Anhand der Jahresringe lässt sich das Alter der Tiere sehr gut bestimmen. Im Frühjahr bleicht außerdem das kontrastreiche, dunklere Winterhaar aus und wird gräulicher – daher der Name „Fahlwild“ für Stein­wild in der Winterdecke. 

Ab April werden das letztjährige Sommer­haar und das gut isolierende Winterhaar büschelweise abgestoßen, wodurch die Tiere in den Monaten des Haarwechsels zottelig wirken. Sie kratzen sich entweder mit ihren Hörnern oder reiben sich an Geländekanten, um die Haare loszuwerden. Dadurch kommt das neue Sommerhaar darunter nach und nach zum Vorschein.

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Artikel in der aktuellen Ausgabe ab Seite 28. 

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