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Im Fokus, Juni 2019

Angebirscht

Die neue WEIDWERK-Serie - Teil 3: der Rotfuchs.

Oliver Deck, MSc 

Listig, tückisch, durchtrieben und auch weise . . . Fabeln und alte Geschichten reichen bis weit ins europäische Mittelalter zurück. Reineke wird er bei uns teils heute noch ­genannt. Doch nicht nur bei uns, ­sondern überall dort, wo der Rotfuchs vorkommt – das ist immerhin beinahe die gesamte nördliche Hemi­sphäre –, haben sich die Menschen mit ihm ­befasst und ihm verschiedenste ­Charaktereigenschaften zugeschrieben. Was davon stimmt? Wurde der Fuchs seit jeher vermenschlicht oder hat er es wirklich faustdick hinter den ­Gehören? Immerhin wird eine be­sonders findige Person im Volksmund auch heute noch als „schlau wie ein Fuchs“ bezeichnet.

Fuchshochzeit (Winter)
Das Jahr beginnt für den bei uns erfolg­reichsten heimischen Vertreter der Hundeartigen mit der Hochzeit, im Jagdjargon „Ranz“ genannt. Dabei wird die Paarungszeit von der Fähe eingeleitet, die ihr Streifgebiet mit Harn und Duftstoffen markiert und den Rüden somit ihre Paarungsbereitschaft signalisiert. Fuchsrüden machen durch das sogenannte „Ranzbellen“ auf sich aufmerksam. Fähen sind immerhin nur zwei bis drei Tage im Jahr aufnahmebereit, an denen sie sich auch mit mehreren Rüden verpaaren. Die Welpen eines Wurfes müssen damit nicht unbedingt alle vom selben Vater stammen. Die ersten Jungfüchse des Vorjahres sind nun schon geschlechtsreif. Die erfolgreiche Teilnahme der jungen Rüden an der Ranz hängt ­jedoch davon ab, wie stark die ­Konkurrenz innerhalb des Geschlechts ist und ob sie über den Winter ein ­Revier gefunden haben. 

Sieben Wochen (Frühjahr)
Nach der Ranz werden die Wurfbaue von den Fähen besetzt. Nach 51–53 Tagen, also ziemlich genau nach sieben Wochen, werden die Welpen gewölft. Diese sind anfangs noch blind und bleiben die ersten Wochen im Bau. Heute weiß man, dass sich auch die Rüden an der Aufzucht des Nachwuchses beteiligen, indem sie das Territorium und damit die Nahrungs­ressourcen verteidigen  und der Fähe Nahrung in den Bau bringen. Im April beginnt der Haarwechsel, und der Winterbalg weicht in den nächsten Monaten immer mehr dem Sommerbalg. Bald verlässt auch die Fähe ­
auf der Suche nach Nahrung für die Welpen wieder den Bau. Dabei ist sie nun auch tag­aktiv. Die Jungtiere verlassen teilweise bereits Ende April das erste Mal den Bau . Im Mai sind sie dann schon regelmäßig mit ihren Geschwistern unterwegs. Die Fähen wirken optisch etwas verwahrlost und „räudig“. Grund dafür ist die Um­stellung des Stoffwechsels durch die Rundumversorgung der kleinen Racker. Immerhin nehmen diese neben der Milch bereits feste Nahrung auf. Alle Mäuler zu stopfen, ist kein einfaches Unterfangen und zollt Tribut. Haben wir also Nachsicht, dass sich die „Damen“ in dieser Zeit nicht in ihrer vollen Pracht präsentieren . . . 

Jungfüchse (Sommer)
Im Juni verlassen die Jungfüchse nun endgültig den Bau, der von 
nun an wieder leer steht. Entgegen dem Volksglauben, dass Füchse das ganze Jahr über im Bau leben, wird dieser nur zur Jungenaufzucht und gelegentlich zur Ranz und als Unterschlupf im Winter genutzt. Jungfüchse erlernen nun durch kleinere Balgereien unter Geschwistern auf spielerische Art und Weise zu jagen und nebenbei auch das Sozialverhalten bzw. die Hierarchie in der Fuchs­gesellschaft. Der Balg der Jungfüchse gleicht nun immer mehr dem der Elterntiere. Sie sind körperlich aber noch geringer und daher klar von diesen zu unterscheiden. Im Juli machen die Jungfüchse bereits ihre erste Beute und werden damit immer selbstständiger. Im ­August endet die mütterliche Fürsorge, die Jungtiere werden von 
der Fähe abgebissen. Die Körper­proportionen ähneln nun schon denen der Altfüchse. 

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Artikel in der aktuellen Ausgabe ab Seite 32. 

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