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IM FOKUS

Im Fokus April 2019

Angebirscht

Die brandneue WEIDWERK-Serie - Teil 2: das Birkwild.

Oliver Deck, MSc 

Im April beginnt beim Birkwild die Balzzeit. Während es bei diesem Raufußhuhn zur Sache geht, nehmen wir uns die Zeit, diese spannende Wildart etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Wussten Sie, dass der frühere wissenschaftliche Name der Gattung Lyrurus an die lyraförmigen Sicheln am Stoß des Birkhahnes an­gelehnt ist? Der heutige Name Tetrao ­tetrix macht die nahe Verwandtschaft mit dem Auerwild (Tetrao urogallus) etwas deutlicher. In der Jägersprache kennt man allerdings eine Vielzahl von Bezeichnungen: So ist lokal auch vom „Spielhahn“, „Kleinen Hahn“ oder „Schwarzen Ritter“ die Rede.

Mit Beginn des neuen Jahres nimmt die Aktivität auf dem Balzplatz wieder zu. Mit März beginnt das Territorial­verhalten der Hahnen, und die vor allem in dicht besiedelten ­Birkwildlebensräumen vorkommenden, gleichgeschlechtlichen Gruppen von Hahnen beziehungsweise Hennen beginnen sich aufzulösen.

Frühjahrsbalz
Mitte April wird nicht nur das Rehwild wieder aktiv (siehe WEIDWERK 3/2019, Seite 32), sondern auch das Birkwild lässt nun den Winter hinter sich und bringt den Puls langsam wieder auf Touren. Es ist Balzzeit! Das bedeutet für die Hahnen, sich vor allem in den frühen Morgenstunden gut zu präsentieren und den Hennen zu imponieren . Anders als sein großer Verwandter, das Auerwild, ist das Birkwild sozu­sagen „bodenständig“, die Morgenbalz beginnt also auf dem Boden.

Beide Raufußhuhnarten nutzen jedoch die große Bühne, um bei den Damen zu punkten: Gebalzt wird nämlich auf einem übersichtlichen Platz, der Balzarena. Dabei darf man den Begriff Arena wörtlich nehmen. Hier fliegen die ­Federn! Eröffnet wird das Schauspiel mit einem zischenden Geräusch, das man „Blasen“ oder ­„Rauschen“ nennt. Der Hahn wartet auf eine ­Antwort und prüft damit die Lage. ­Anschließend folgt das „Rodeln“ oder „Kullern“, ein weithin hörbarer, stimmhafter Laut, der mit vorgestrecktem Hals, aufgefächertem Stoß und am Boden schleifenden Schwingen vorgetragen wird . Unterbrochen wird dies durch Flattersprünge, wobei der Hahn am Höhepunkt die weißen Flügelunterseiten zur Schau stellt, um den Hennen zu imponieren . Außerdem wird dabei geprüft, ob sich Neben­buhler in den festgelegten Territorien der Hahnen ­befinden; diese werden gegebenenfalls vertrieben. Bei Sonnenaufgang verstummen die Hahnen – in der Jägersprache wird dies als „Morgengebet“ bezeichnet. Die weitere Balz wird „Sonnen- oder Baumbalz“ genannt und wird meist auf einem Baum – dies sind in der Regel Lärchen, Fichten oder Kiefern – vollzogen.

Damenwahl: Hennen suchen sich den dominanten Hahn auf dem Balzplatz aus. Oft ist dies derselbe Hahn wie im Vorjahr – das spart zur Partnersuche aufzuwendende Energie. Studien haben gezeigt, dass die Größe der Balz­rosen – die roten Hautwülste oberhalb der Augen der Hahnen, die bei sexueller Aktivität an­schwellen – einen positiven Einfluss auf den Erfolg der Hahnen bei den Hennen hat. Hat die Henne ihren Hahn ­gewählt, lässt sie sich „treten“, wie der Fortpflanzungsakt nüchtern ­bezeichnet wird. Der Tretakt wird nur einmal zugelassen. Findet dabei eine Störung statt, streicht die Henne ab und kommt nicht erneut auf den Balzplatz. Auch das Wetter kann einen Einfluss auf die Balz haben; je kühler und windstiller, desto intensiver ist die Balz.

Jungvögel, hier vor allem die Hennen, wandern von Mitte April bis Anfang Mai ab. Hahnen sind da sesshafter, im Gegensatz zu den heimischen Vertretern der Schalenwildarten, wie etwa dem Rehwild, bei dem die Geißen in der Nähe 
der Streifgebiete des Muttertieres bleiben und die Böcke abwandern. Ende Mai ist die Balz vorüber; es folgt die Eiablage, die zwischen 10 und 18 Tagen dauert. Erst wenn alle – im Schnitt bis zu 10 – Eier gelegt sind, wird mit dem Brüten begonnen. 

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Artikel in der aktuellen Ausgabe ab Seite 30. 

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