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DIANA

Diana, Jnner 2020

Arbeitsteilung in der Steinzeit

Dass die Jagd in den letzten Jahren immer weiblicher geworden ist, ist hinlänglich bekannt. Dass dies jedoch keine gänzlich moderne Wendung ist, zeigen wissenschaftliche Erkenntnisse.

Prof. Dr. Brigitte Röder

Es klingt zunächst einleuchtend: Die Jagd war ­gefährlich und folglich Männersache. Während er Nahrung beschaffte, hat sie sich am heimischen Feuer ums Kochen und die Kinder gekümmert. Er war der Versorger, sie Gattin, Hausfrau und Mutter. Doch was ist dran an dieser Arbeitsteilung, die sich so fabelhaft zu ergänzen scheint? Die Archäologie kommt mittlerweile zu anderen Szenarien.

Einem steinzeitlichen Speer sieht man nicht an, wer ihn geschleudert hat. Trotzdem wird meist stillschweigend davon ausgegangen, dass es ein Mann war. Sich den Speer in der Hand einer Frau vorzustellen, fällt offensichtlich schwer. Dabei gibt es zahlreiche zeitgenössische, historische und ethnografische ­Belege für Jägerinnen. Doch die Ansicht, dass in der Steinzeit ausschließlich Männer gejagt hätten, ist kaum zu erschüttern. So wird die Altsteinzeit häufig auch als die Zeit der Mammut- und Rentierjäger bezeichnet. Die Jagd scheint eine Domäne der Männer gewesen zu sein.

Mythos Großwildjagd
Dahinter steht die Vorstellung, dass sich die Menschen bis zur Einführung von Ackerbau und Tierhaltung um etwa 5500 v. Chr. vor allem von Großwild ernährt hätten. Archäologische Ausgrabungen von ehemaligen Siedlungsplätzen schienen das lange zu bestätigen, denn es wurden vor allem Knochen von großen Tieren, wie Mammut, Rentier, Pferd oder Hirsch, gefunden. Mittlerweile ist jedoch klar, dass mit den früheren Grabungsmethoden die Reste von kleineren Tieren systematisch übersehen wurden. Heute werden Sedimente bei Ausgrabungen in der Regel geschlämmt, das heißt mit Wasser durch feinmaschige Siebe gespült, in denen auch kleinste Reste wie Fischschuppen hängen bleiben und entdeckt werden. Die feinere Grabungstechnik hat die Kenntnisse zur Ernährung fast auf den Kopf gestellt: Statt jeden Tag Mammut oder Rentier, stand eine breite Palette von Tieren auf dem Speisezettel. Dieser umfasste nämlich auch diverse Kleintiere wie etwa Schneehasen sowie zahlreiche Fisch- und Vogelarten. 

Die Bedeutung der Großwildjagd hat sich dadurch sehr relativiert. Hinzu kommt, dass der Anteil der pflanz­lichen Nahrung bislang massiv unterschätzt wurde. Dank neuer Methoden, der Nutzung von Umweltdaten und Vergleichen mit modernen Polarvölkern wird nun immer deutlicher, dass selbst in Kaltphasen während der Eiszeit ein breites Spektrum essbarer Pflanzen (zum Beispiel Beeren) zur Verfügung stand.

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Artikel in der aktuellen Ausgabe ab Seite 52. 

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