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DIANA

Diana, Oktober 2017

(Un-)Soziale Medien?

Vom Umgang mit modernen Medien und der digitalen Welt in Bezug auf die Jagd. Wie man sich als Jägerin präsentiert und wie man wahrgenommen wird.

Univ.-Ass. Mag. Eva Erlacher

Soziale Medien („Social Media“) sind heute ein fixer Bestandteil unseres Lebens – das Smartphone ist unser ständiger Begleiter, das Notebook immer in greifbarer Nähe. Sei es Twitter, Instagram, YouTube oder Facebook – wir alle werden mit diesen Plattformen konfrontiert und bewegen uns auf die eine oder andere Art und Weise in dieser digitalen Welt. Auch die Jagd ist davon nicht ausgenommen: Es gibt unzählige Kanäle und Plattformen zum Thema Jagd; von Firmenprofilen und Produktvorstellungen über fachliche Beiträge bis hin zum privaten Jagderlebnis mit dem Opa findet man alles in der digitalen Welt. Es ist modern, alles zu teilen, zu liken, zu posten, zu kommentieren. Ich selbst zähle mich zu einer dieser Personen und poste ebenfalls viel Jagdliches auf meinem Instagram-Account. Jedoch durchaus mit Vorsicht, denn die Reichweite dieser Online-Plattformen ist nicht zu unterschätzen, und die Personen, die in weiterer Folge Zugriff auf meine Bilder haben, schier unkontrollierbar. Und somit weiß ich: Jedes Bild, das ich poste, schicke ich auf eine mir unbekannte Reise.

Unterschiedliche Interpretation
Soziale Medien bieten uns (in diesem Fall meine ich uns Jägerinnen und Jäger) die Möglichkeit, uns so zu präsentieren, wie wir gesehen werden wollen. Wir posten die schönsten persönlichen Bilder, nur die besten Landschaftsaufnahmen werden online gestellt und die größten Erfolge geteilt. Doch man muss eines beachten: Das, was einem subjektiv als passendes Bild erscheint, kann in der breiten Öffentlichkeit völlig anders wahrgenommen werden. Es ist weit verbreitet und bekannt, dass oft nur die Bilder betrachtet werden, eine kurze Über- oder Unterschrift dazu gelesen wird und der dazugehörige Artikel oder die ausführliche Bildbeschreibung verloren geht. Man schreibt zwar liebe­voll und mit viel Hingabe über das Jagderlebnis und postet es online, doch am Ende liest es niemand. Und genau das kann oft zu Problemen führen, denn ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte. Ja, das mag wohl stimmen, aber leider können wir uns nicht aussuchen, welche das sind. Sowohl positive Interpretationen als auch negative sind möglich, und dessen müssen wir uns bewusst sein. 
Während ein Jäger hinter einem Erlegerfoto die Emotionen, die Leidenschaft, die oft harte Arbeit und den intensiven Zeitaufwand sieht, so sehen andere lediglich ein totes Tier und jemanden, der sich offensichtlich darüber freut. Das persönliche Erlebnis und die Geschichte hinter dem Bild verschwinden, und übrig bleibt für die breite Masse die bloße Abbildung einer fremden Person mit einem toten Tier. Die Wahrnehmung durch Dritte und die subjektive Wirklichkeit sind hier oftmals sehr voneinander losgelöst. Daher überlege ich immer im Vorhinein, wie ein Bild an­kommen könnte und ob es gut ist, es zu posten oder nicht. Die Abwägung ist oft gar nicht so einfach, denn wir sollten uns nicht für das verstecken oder schämen, was wir tun und lieben. Wir müssen uns eigentlich auch nicht rechtfertigen. Aber trotzdem versuche ich, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten und keine provokanten Signale zu senden. Daher ist mein Ansatz vor allem der, dass ein gepostetes Erlegerfoto stets den Respekt und das Ansehen des Jägers widerspiegelt ...

Artikel in der aktuellen Ausgabe auf Seite 56. 

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