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THEMATISIERT

Thematisiert, Juli 2018

Wild unter der Lupe

Sehen Vögel Farben? Warum brechen sich Gams- und Steinwild nicht die Beine, wenn sie über Felswände abwärts springen? Welchen Vorteil hat es, über drei oder vier Mägen zu verfügen? Über den Bau und die Funktion von Wildkörpern. – 15. Teil: die Fortpflanzung – auf männlich.

Dr. Beatrix Neumayer

Nachdem auf Erden nichts unsterblich ist, geht das Leben nur weiter, wenn es sich fortpflanzt. Haben Sie über dieses Wort schon einmal genauer nachgedacht? Fort-pflanzen, Weiter-pflanzen, Weiter-geben. Und was wird da weitergegeben? – Baupläne, Funktionspläne, Gebrauchsanleitungen, Erfahrungen? Es ist durchaus möglich, dies nur einseitig vom Weiblichen aus zu tun. Vielfältiger wird es allerdings, wenn die männliche Seite mitmischt. Und Vielfalt bedeutet, die Natur kann wählen und sich für das Beste entscheiden. So wird aus der Fortpflanzung Evolution, also Entwicklung.

Die Hoden
Auch wenn ein Damwildkalb schon im ersten Sommer seinen Pinsel zeigt, wenn beim Brunfthirsch die Brunft­kugeln „rumkugeln“, Erpel ihre Prachtkleider anlegen und Birkhahnen ihre Balz­sprünge vorführen – um das männliche Fortpflanzungs-Organsystem in seiner Gesamtheit zu verstehen, müssen wir nach innen gehen. 
Beginnen wir mit den Hoden, den Primärproduktionsstätten der Samenzellen. Der Hautsack (Hodensack), in dem sie liegen, ist beim Wildwiederkäuer durch einen „Hals“ ab­gesetzt und liegt vergleichsweise weit vorn Richtung Nabel. Beim Schwarzwild sieht die Sache schon nicht mehr so auffällig aus, da seine Hoden gleich unter dem Weidloch liegen. Deutlich kleiner, auch im Vergleich zur Körpergröße, sind sie bei Hunde- und Katzenartigen. Und wenn wir schon über die Größe reden: Wir Menschen haben unseren Haustieren angezüchtet, dass sie das ganze Jahr über „einsatzbereit“ sind. In der Natur wäre das eine katastrophale Energieverschwendung. Deshalb bilden sich die zuständigen Organe, wie zum Beispiel die Hoden, bei saisonaler Fortpflanzungsaktivität in den Zeit­räumen dazwischen deutlich zurück: Hodengröße, Samenproduktion usw. gehen vorübergehend in den Ruhe­zustand.
Die Hoden sind bei allen Wirbeltieren paarig angelegt. Das heißt, es gibt zwei davon. Sie stecken nicht nur in einem Hautsack, sondern sind zusammen mit ihren kleinen Brüdern – den Nebenhoden – auch von einer Ausstülpung des Bauchfells umhüllt. Wie das, wenn sie doch außerhalb der Bauchhöhle liegen? Gute Frage – dort liegen sie nämlich nicht von Anfang an. Sie wandern während der Entwicklung aus der Bauchhöhle hinaus und hi­nunter in den Hodensack. Dort ist es kühler, was den Samenzellen besser bekommt. Auch ein Gefäßgeflecht, das die Hoden umgibt, dient unter anderem als Kühlaggregat. 
Zusätzlich zur Haut des Hodensacks und dem zarten Bauchfell gibt es noch eine bindegewebige, derbe Kapsel. Den Trägern des wertvollen Erbgutes soll ja nichts zustoßen. Das Innere besteht daher aus einem dichten Geschlängel an Samenkanälchen, in denen die Samenzellen hergestellt werden. Zwischen den Samenkanälchen arbeiten im Hoden Zellen, die Hormone – hauptsächlich männliche (Testosteron), aber auch weibliche Geschlechtshormone (Östrogen) – produzieren ...

Artikel in der aktuellen Ausgabe auf Seite 16. 

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