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THEMATISIERT

Thematisiert, September 2018

Wild unter der Lupe

Sehen Vögel Farben? Warum brechen sich Gams- und Steinwild nicht die Beine, wenn sie über Felswände abwärts springen? Welchen Vorteil hat es, über drei oder vier Mägen zu verfügen? Über den Bau und die Funktion von Wildkörpern. – 16. Teil: „Hochzeit“ und Jungenaufzucht.

Dr. Beatrix Neumayer

Unvermeidlich, wurde mir gesagt, dass auf die Fortpflanzung aus Sicht der weiblichen Anatomie und der dazu notwendigen männlichen körperlichen Feinheiten das Ergebnis, das Gesamte, der Sinn dahinter zu folgen hat. – Klar soweit! Vieles davon haben wir in den entsprechenden Artikeln (siehe WEIDWERK 6/2017 und 7/2018) schon besprochen. Klar auch, dass Sie als Jäger alles „drauf haben“, was mit Brunft, Balz, Setzen, Gelege und Gesperre zu tun hat. Ich hätte trotzdem Lust, noch einmal durch die Wildarten zu bummeln und einen kurzen, in­diskreten Blick auf spannende Details ihres Liebeslebens zu werfen. Ich nehme Sie gerne mit, aber nur unter einer Bedingung: Die Indiskretion geschieht nur auf dem Papier und in unseren Köpfen. Ich kenne einen besonderen Menschen, der einmal mit der Kamera auf eine gerade setzende Gamsgeiß aufgelaufen ist. Den Blick dieses Tieres wird er nie vergessen, eine Begegnung dieser Art vermeidet er seither.

Pille danach oder Zickenkrieg?
Die ausgeklügeltste Familienplanung unter unseren heimischen jagdbaren Säugetieren hat wohl das Murmeltier. Die entscheidenden Faktoren sind dabei Zeit und Energiesparen. Junge (Affen) gibt es nur, wenn Mama (Katze) genug Kraft hat – wenn sie das nicht hat, gibt es keine von keinem Weibchen. Denn das dominante Muttertier setzt die anderen Weibchen derart unter Druck, dass sie, selbst wenn sie durch einen Seitensprung des Hausherrn (Bär) trächtig sind, durch die Ausschüttung von Stresshormonen ihre Nachkommen verlieren, sprich: „Pille danach“ oder „Zickenkrieg“ im Murmelbau. Zeit nutzen und Kräfte sparen geht nur mit strenger Ordnung.
Wenn wir schon bei Katzen und Bären sind: Braunbären sind Einzel­gänger. Wenn ein Männchen nach langer Suche ein Weibchen gefunden hat, muss man sich erst aneinander gewöhnen. Kommt mir irgendwie bekannt vor . . . Jedenfalls braucht es einige Tage der zärtlichen Bemühungen, bis er darf. Das geschieht im Mai oder Juni, und dann geschieht lang nichts. Bis zum Dezember ruht das Ergebnis der Befruchtung. Das kennen wir bereits von den Marderartigen und vom Reh. Beim Bären wächst in nur neun Wochen ein Bärchen heran, das mit einem Gewicht von nur 300–400 g zur Welt kommt. Das ist das gleiche Geburts­gewicht wie beim Luchs, der genauso weite Wege streifen muss, bis er einen Partner findet. Nur hat das Bärchen die nährstoffreichste Milch – voll mit Fett und Proteinen – zur Verfügung, um kein Kätzchen zu bleiben. 
Bleiben wir noch kurz bei den Beute­greifern. Auch bei den Wölfen gibt es hochaggressiven Zickenkrieg, wenn im Winter zur Ranzzeit hin der Hormonspiegel der Leitwölfin steigt. Ihr Duft heizt den Leitwolf an, und nur diese beiden „dürfen“. Da sind sie wieder: Hierarchie und strenge Regeln zum Schutz des Rudels. Erst bei der Kindererziehung helfen alle zusammen; beim Erkunden, Lernen, Spielen, Zähnchenerproben. Die Zähnchen testen auch die Fuchswelpen. Bei der Fuchserziehung können ebenfalls schon einmal zwei Fähen zusammen­arbeiten. Sie haben schon Wochen vor der Paarung ihre Duftstoffe in Harn und Violen-Sekret gepackt, um attraktiv zu wirken. Das Parfum hat nicht der Mensch erfunden!

Imponiergehabe
Ein leitendes Weibchen gibt es bekannt­lich auch beim Schwarzwild. Diese Bache leitet mit ihrer Rausche die allgemeine Paarungsbereitschaft in der Rotte ein. Die Keiler, zurück aus den Sommereinständen und angelockt vom Geruch, streiten um die Gunst der Damen. Ist ein reifer Herr hohen Ranges vor Ort, bleibt es oft beim harmlosen Imponiergehabe. Fehlt die ordnende Kraft, kann das übel aus­gehen. Erst beim Liebesspiel werden die Herren wieder zärtlich – obwohl es manchen von uns schwerfällt, das Stoßen eines Keilerwurfs in die Flanke der Bache als zärtlich anzusehen.
Apropos Imponiergehabe: ein Gams­bock, der sich an exponierter Stelle zeigt, sich schüttelt und dabei nässt, um zu duften; ein Hirsch, der sein mächtiges Geweih zeigt und bis zur Erschöpfung röhrt; ein Rehbock, der sich ein stattliches Territorium erkämpft hat; balzende Hahnen mit gewaltigen Stößen und brennroten Balzrosen . . . – was für ein Aufwand, um die Damen bei ihrer Wahl zu be­einflussen und um Erbgut weitergeben zu dürfen! Für einen kurzen Moment der Samenübertragung, nach dem jeder wieder seiner Wege geht. Den Rest erledigen die Mütter. Der Energieaufwand ist da und dort enorm. Zum Aufwand der Aufzucht des Nachwuchses kommen wir gleich. Lassen Sie uns noch über ein paar Dinge nachdenken – über Hochzeitsvorbereitungen und -voraussetzungen ...

Artikel in der aktuellen Ausgabe auf Seite 12. 

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