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THEMATISIERT

Thematisiert, August 2017

„Wilde“ Stadt: Heraus­forderungen & Chancen

Schwarzwild in Wien, Füchse in Linz oder Innsbruck, Steinmarder von Bregenz bis Eisenstadt: Wildtiere sind in der Stadt keine Seltenheit mehr. Sie stellen Jagd und Wissen­schaft vor so manche Herausforderung und 
eröffnen gleichzeitig Chancen zur Wildtierbeobachtung und Wertschätzung der heimischen Fauna.

Dr. Richard Zink & Theresa Walter, MSc.

Ratten, Eichhörnchen und Tauben: Bei diesen Wildtierarten ist es kaum mehr der Rede wert, dass sie auch in Städten leben. Doch besonders die charisma­tischen Wildarten Wildschwein, Dachs, Fuchs und Steinmarder fallen in der Stadt auf, und Begegnungen mit ihnen bleiben oft lange in Erinnerung. Aber was macht Städte für Wildtiere so attraktiv? Und was bedeutet das Vorkommen von Wildtieren in urbanen Räumen für Jagd und Wissenschaft?
Städte sind manchmal vielfältiger, als man denkt. So sind beispielsweise mehr als 50 % der Fläche Wiens Grünräume und somit potenzieller Wild­tierlebensraum. Für Raubtiere wie den Fuchs gibt es im urbanen Raum ein reiches Nahrungsangebot in Form von Komposthaufen, Essensresten, Früchten und hohen Maus- und Ratten­populationen. Alle Wildtiere profitieren von Flächen, die für die Allgemeinheit immer oder auch nur zu bestimmten Tageszeiten unzugänglich sind. Auf Friedhöfen, in Parkanlagen oder auch entlang von Bahntrassen finden sie Rückzugsräume. Aber auch die Menschen versüßen den Tieren das urbane Leben. Oft werden Wildtiere absichtlich oder auch unabsichtlich gefüttert, wenn zum Beispiel das Katzenfutter auf der Terrasse steht.

Wildreiche Stadt
Seit 2012 beschäftigen sich Wildbiologen vom Forschungsinstitut für Wild­tierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien (FIWI) mit dem Thema Wildtiere in der Stadt. Der räumliche Fokus liegt dabei auf Wien und dem Wiener Umland – denn Wildtiere halten sich bekanntlich nicht an vom Menschen gezogene Bundeslandgrenzen. Unterstützt vom Wiener bzw. vom Niederösterrei­chischen Landesjagdverband sowie der Stadt Wien wird neben anderen Wildarten vor allem dem Schwarz­wildvorkommen um und in der Stadt nachgespürt.
Beim Schwarzwild zeigte sich in den vergangenen Jahren, dass die Tiere vor allem am Rand des Wienerwaldes im Westen der Stadt, wie auch in der Lobau im Südosten der Stadt vor­kommen. Glücklicherweise konnte bisher durch die gelungene Zusammen­arbeit von Wissenschaft, Jagd und Stadtverwaltung ein vermehrtes Eindringen der schlauen Schwarzkittel bis in dichter besiedelte Gebiete weitgehend ver­mieden werden. Ganz anders sieht es in Berlin aus. In der deutschen Bundeshauptstadt leben geschätzte 5.000 Wildschweine nicht nur am Rand der Stadt, sondern auch gerne in der Stadt. Selbst Bachen mit Frischlingen auf Kinderspielplätzen sind dort keine Seltenheit. Im Jahr 2003 mussten gar zwei Tiere am Alexanderplatz mitten in Berlin erlegt werden. Unser Team versucht mittels Überwachung neuralgischer Punkte am Stadtrand, genau solchen Szenarien vorzubeugen. Außerdem wurde be­sonderes Augenmerk auf potenzielle Vorkommen auf der Donauinsel sowie im Bereich Alte Donau/Lobau gelegt. Empfehlungen für die Stadt Wien und die Jägerschaft wurden erarbeitet. Füchse kommen in Wien in jedem Bezirk bis in die Innenstadt vor (siehe auch Weidwerk 3/2016). Doch Wien ist nicht die einzige Metropole mit Stadtfüchsen. Auch in Zürich, Berlin, Oslo oder Tokio leben die anpassungs­fähigen Räuber im urbanen Raum. Waren die ersten Stadtfüchse in London in den 1930er-Jahren noch ein Novum, geht man inzwischen davon aus, dass in jeder Stadt Füchse in mehr oder weniger hohen Dichten vorkommen. Im Gegensatz zum Fuchs, der von der Bevölkerung überwiegend positiv wahrgenommen wird, birgt der Dachs im urbanen Raum ein gewisses Konfliktpotenzial. Durch die Grabtätigkeit beim Anlegen von Bauen sind die großen Marderartigen nicht in jedem Garten willkommen. Zusätzlich sind der teilweise enorme Flohbefall und das Anlegen von Latrinen für Familien mit Kleinkindern meist ein unangenehmer Nebeneffekt ...

Artikel in der aktuellen Ausgabe auf Seite 22. 

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