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THEMATISIERT

Thematisiert, Oktober 2017

Vegane Wildbret­konsumenten?

Ist veganes Essen umweltverträglicher als Fleischkonsum? Welche Rolle spielt Wildbret in diesem Zusammenhang und wie sieht es mit der CO2-Bilanz aus?

Priv.-Doz. Dr. Teresa Valencak

Argentinisches Rind, Kana­disches Wild, Avocados aus Mexiko, Hirsch und Lamm aus Neuseeland, Weine aus Südafrika und schließlich grüne Bohnen aus Kenia. – Einkäufe haben heutzutage eindeutig einen internationalen Geschmack, die Globalisierung lässt grüßen.
Völlig richtig ist es daher, in Zeiten des Nachhaltigkeitsgedankens die Frage zu stellen, ob vegetarische Kost die Kohlendioxid- und Methan-Emissionen, die den Klimaforschern großes Kopfzerbrechen bereiten, verringern kann. Wäre es daher für unseren Planeten besser verträglich, wenn wir alle auf pflanzliche oder gar vegane Kost umsteigen würden?

Nachhaltigkeit – die Maxime der Nahrungsmittelindustrie
Der Einfluss der Globalisierung auf den Handel mit Nahrungsmitteln ist in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen, vor allem, wenn man die lokal und kulturell unterschiedlichen Gelüste mitberücksichtigt. Die allseits beschimpften Lebensmittelketten und -konzerne agieren weltweit, um die beinahe 4 Mrd. in Städten lebenden Menschen mit ausreichend landwirtschaftlichen Produkten zu versorgen. Interessanterweise sind es genau die Städter, die heutzutage sehr kritisch bei der Auswahl ihrer Nahrungsmittel sind: Dies gilt für umwelt- und gesundheitsbewusste Menschen gleicher­maßen. Uns wird allseits empfohlen, weniger Fleisch zu essen, um den globalen Klimawandel beziehungsweise die Produktion von Treibhaus­gasen hintanzuhalten. Tatsächlich ist der Fleischkonsum in der Europäischen Union zuletzt ge­sunken und rangierte bei etwa 42 Mio. Tonnen über die letzten 15 Jahre (Quelle: FAO). Für Menschen, die neue Gewohnheiten beim Fleischkonsum haben, wurden sogar reißerische und werbewirksame Bezeichnungen, wie „Reduktarier“ (Menschen, die weniger Fleisch essen) und „Flexitarier“ (Menschen, die nur ab und zu Fleisch essen), gefunden. Welche Rolle spielt die zeitgemäße Jagd bei diesen Veränderungen? Sind Obst, Gemüse und andere fleischlose Grundnahrungs­mittel, welche täglich den Globus überqueren, un­bedenklich für die Umwelt? Können wir sie generell als nach­haltigere Lebens­mittel einstufen als Fleisch oder gar Wildfleisch? 

Fracht, Flächen und die Kraft der Nachfrage
Wenn man den Einfluss der (Luft-) Fracht von Nahrungsmitteln auf die Umweltverträglichkeit berücksichtigt, ist es schwer, einen Vorteil von pflanzlichen Nahrungsmitteln gegenüber den Fleischprodukten zu erkennen. Außerdem ist der Umfang der Flächen, die für nachhaltigen Gemüse- und Obst­anbau zur Verfügung stehen, global ebenfalls begrenzt. Dazu kommt die in vielen Ländern steigende Nachfrage an Lebensmitteln durch wachsende Bevölkerungszahlen. EU-weit werden etwa 10 % der eingekauften Nahrungsmittel in Bio- bzw. Fairtrade-Qualität erworben, wobei der Anteil in Österreich sogar noch höher ist. Wenn man den Prognosen traut, dann bleibt die Nachfrage in den nächsten Jahren jedenfalls auf diesem Niveau oder steigt sogar noch an. Aber diese Nachfrage ist auf globaler Ebene auch problematisch, denn selbst wenn wir unseren Konsum von Bio-Avocados anheben, so bewirkt das beispielsweise in Mexiko nicht nur Gutes, sondern auch große Veränderungen in der landwirtschaftlichen Nutzung und kann unter anderem zum Schrumpfen der Regenwälder führen. Dies wollen wir selbstverständlich in vielen Projekten und aus gutem Grund verhindern ...

Artikel in der aktuellen Ausgabe auf Seite 12. 

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