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THEMATISIERT

Thematisiert, Mai 2018

Ein Grund zum Feiern: 90 Jahre WEIDWERK

Zeitschriften sind wie ein Spiegelbild ihrer Zeit. 90 Jahre WEIDWERK bieten daher eine gute Gelegenheit, die Entwicklung des österreichischen Jagdwesens in direktem Bezug zu den gesellschaftspolitischen Strömungen des letzten Jahrhunderts zu betrachten. Haben sich Jagd und Jäger in diesem Zeitraum wirklich grundlegend verändert oder diskutieren wir bei genauerer Betrachtung nicht doch immer noch über dieselben Themen wie vor 90 Jahren? – 2. Teil einer spannenden Serie.

Oj. Mag. Dr. Hubert Stock

Wie bereits im letzten Teil erwähnt, forderte Dr. Ludwig Strobl, von 1924 bis 1936 Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, eine Neuordnung der Jagdwirtschaft und der Organisation der Jägerschaft, wo­runter er in erster Linie die Schaffung eines Bundesjagdgesetzes verstand.

Bundesjagdgesetz
Nach der Auffassung Strobls war der Grundstein zum Zusammenschluss aller österreichischen Jäger durch die neue Verfassung bereits gelegt. Vorbild sollte dabei das erst 1933 beschlossene Burgenländische Jagdgesetz sein, das im Unterschied zu den übrigen Landesjagdgesetzen nicht nur administrative Belange regelte, sondern bereits Ansätze enthielt, die heute durchwegs dem Deutschen Reichsjagdgesetz zu­geschrieben werden. So liest man bereits vom „weidmännischen“ Jagdbetrieb und erstmalig vom „Ruhen der Jagd“. Es wurden nun Höchstabschüsse verordnet, das Fangen von Wild geregelt, bei Waffen und Munition Einschränkungen vorgeschrieben sowie die verpflichtende Nachsuche mit Jagdhunden verankert. Auch dem „Ausräumen“ eines Reviers vor Pachtende versuchte man einen Riegel vorzuschieben, indem ein Drittel des Jagdgebiets zwei Jahre vor Ablauf der Pachtperiode nicht mehr bejagt werden durfte. Ebenso wurde versucht, ein Problem zu lösen, das uns bis heute beschäftigt: Wildschäden. So entstanden immer wieder Konflikte um Wildschäden, die von jenem Jagd­inhaber ersetzt werden mussten, in dessen Revier sie ent­standen waren, auch wenn diese eigent­lich von Wild verursacht wurden, das im Nachbarrevier seinen Einstand hatte. Einen Lösungsversuch stellten sogenannte „Wildschadens-Streifreviere“ dar, in denen der durch Rot- und Schwarz­wild entstandene Schaden auf alle angrenzenden Reviere aufgeteilt wurde. Über die gerechte Aufteilung mussten sogenannte „Schiedsgerichte“ entscheiden, die von allen Revieren paritätisch beschickt wurden. Ob dieser durchaus interessante Versuch einfach gescheitert ist oder durch das jähe Ende des Ständestaates beendet wurde, kann nicht mehr eindeutig nachvoll­zogen werden. Übrigens haben die Nationalsozialisten nach dem „Anschluss“ den Anspruch erhoben, dass sich das „moderne“ Burgenländische Jagdgesetz das Deutsche Reichsjagd­gesetz zum Vorbild genommen habe. Es mag sein, dass man sich allgemeinen Strömungen im Jagdwesen angeschlossen hatte, da aber das Reichsjagdgesetz erst ein Jahr nach dem Burgen­ländischen Jagdgesetz in Kraft getreten ist, darf diese Behauptung wohl zurecht ins Reich der Legenden ver­wiesen werden. Letztlich scheiterte der Versuch von Dr. Strobl, ein Bundesjagd­gesetz zu schaffen, spätestens mit seiner Abberufung als Landwirtschaftsminister. Doch zehn Jahre später würde Strobl einen neuerlichen Anlauf für sein Vorhaben nehmen. Was dies mit der weiteren Zukunft von Österreichs Weidwerk zu tun haben würde, darauf werde ich später näher eingehen. 
1934 war kein wirklich gutes Jahr für Fritz Habig. So berichtet die „Kronen Zeitung“ am 13. Mai 1934 von einem schweren Jagdunfall. Als Habig bei Freunden in Mautern, Niederösterreich, zur Jagd eingeladen war, schoss er dort für einen Freund ein Gewehr ein. Laut Bericht kam es aufgrund eines Konstruktionsfehlers der Waffe zu einer Verschluss-Sprengung, die Habig den Daumen bis zum Hand­rücken wegriss. Ob Habig seinen Daumen dauerhaft verloren hat, darüber schweigen die Quellen.

1.000-Mark-Sperre
Das Jahr 1934 hatte durch seine politischen Entwicklungen zudem auch für die Berufsjäger dramatische Auswirkungen. Das autoritäre Regime unter Bundeskanzler Engelbert Dollfuß startete zu dieser Zeit erstmals den Versuch, eine eigene österreichische Identität zu schaffen. Um den politischen Willen in Österreich zu brechen, wurde vom Deutschen Reich im Mai 1934 die sogenannte „1.000-Mark-Sperre“ ein­geführt, was heute, nach den Berechnungsmethoden der Deutschen Bundesbank, einer Summe von etwa € 4.000,– entspricht. Ab diesem Zeitpunkt mussten alle deutschen Staatsbürger, wenn sie nach oder durch Österreich reisen wollten, eine Abgabe von tausend Mark entrichten. Treffen wollte man damit selbstverständlich das zarte Pflänzchen des österreichischen Tourismus, das sich gerade erst so richtig zu entwickeln begann und zu einem großen Teil von deutschen Gästen abhängig war. Besonders schwer traf diese Maßnahme jedoch die österreichischen Berufsjäger! Ein Blick in den Inseratenteil von Österreichs Weidwerk lässt vermuten, dass zahl­reiche deutsche Jagdpächter aufgrund der 1.000-Mark-Sperre ihre Jagdpacht aufkündigten und dadurch zahlreiche Berufsjäger ihre Anstellung verloren. Ein eindeutiges Indiz dafür bietet der Umstand, dass zwischen Mai und Oktober 1934 die Inserate arbeitsuchender Berufsjäger sprunghaft an­stiegen. Waren in den vorhergehenden Jahrgängen gerade einmal ein oder zwei Stellengesuche von Berufsjägern zu finden, nahmen diese nun zwei bis drei volle Seiten in Anspruch ...

Artikel in der aktuellen Ausgabe auf Seite 14. 

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