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JAGDRECHT

Jagdrecht, Mai 2018

Entwicklung des Jagdrechts in Österreich

Das Jagdrecht war und ist ständigen Änderungen unterworfen, nicht zuletzt hervorgerufen durch die Entwicklung der Gesellschaft. Wie es in Österreich im Laufe der Jahrhunderte geformt wurde, lesen Sie in 
dieser Serie. – 2. und letzter Teil.

Mag. Wolfgang A. Orsini und Rosenberg, Rechtsanwalt

Unter Kaiser Leopold I. wurde im Jahr 1675 das erste Jagdpatent erlassen, welches unter anderem das Verbot bestimmter Fangmethoden und Fallen beinhaltete. Ebenso wurden für beinahe alle Hauptwildarten (ausgenommen Reh­wild) Schonzeiten normiert.

Harte Strafen & weitere Einschränkungen
Kaiser Karl VI. führte am 6. Mai 1726 die „Jäger-, Holz- und Beiz-Ordnung“ ein, die neben neu festgelegten Schon- und Schusszeiten beispielsweise auch die ganzjährige Schonung des weib­lichen Wildes anordnete. Zudem wurden in diesem Zuge erneut harte Strafen für Wilddiebe und Wilderer eingeführt. Auch durften die Bauern das Vieh in ihrem eigenen Wald nicht mehr ohne Genehmigung weiden lassen, und das Schlägern von Holz war ohne Erlaubnis unzulässig. Es war von jetzt an verboten, das Wild auf den Feldern zu vertreiben oder von Wald­wiesen auszusperren. Erschwerend kam hinzu, dass die Bauern während der Jagden des Kaisers zu Frondiensten gezwungen wurden.
Unter Maria Theresia wurden wenige Änderungen vorgenommen, abgesehen von der Freigabe des Schwarz­wildes 1770 zur allgemeinen Bejagung.

Josephinisches & Reichs-Jagdgesetz
Im sogenannten Jagdpatent vom 28. Februar 1786 gestattete Kaiser Joseph II. den Bauern wieder, ihre Felder zu schützen und das Wild von den Feldern zu vertreiben. Erstmals war auch von einer Entschädigung für Wildschäden die Rede. Die nicht adelige Bevölkerung blieb aber weiterhin von der Jagd ausgeschlossen. 
Ein pikantes Detail am Rande: Wesentliche Teile der josephinischen Jagdgesetzgebung blieben in Österreich jahrzehntelang in Geltung. In Tirol wurde dieses Gesetz sogar erst durch das Reichsjagdgesetz 1938 abgelöst.
Die Revolution im Jahr 1848 brachte das bisher bekannte System völlig aus dem Gleichgewicht. Im Reichsjagd­gesetz von 1849 (kaiserliches Patent vom 7. März 1849, RGBl Nr. 154) wurden erstmals Jagdrechte auf fremdem Grund und Boden untersagt. 
Bei diesem kaiserlichen Patent handelte es sich aber nur um eine Art Rahmengesetz. Das Josephinische Jagdgesetz und zahllose andere Vorschriften blieben nach wie vor in Geltung. Die Revolution führte jedoch dazu, dass sowohl Jagdrobot als auch Jagdfron (Zwang der Beteiligungen an der Jagd des Adels) ein Ende fanden. Das Jagdrecht wurde nun erstmals wieder als Teil des Grundeigentums angesehen und die beherrschende Stellung des Adels war zu Ende. Erstmals seit der Zeit der germanischen Allmende entstand wieder ein allge­meines Recht zur Jagdausübung.

Jagd als Landessache
In Österreich breitete sich in weiterer Folge die föderalistische Grundhaltung immer weiter aus, und die Jagd wurde schließlich durch den Kaiser zur Landes­sache erklärt. Einzig in Salzburg und Tirol blieben die bereits beschriebenen Reichspatente erhalten. Alle anderen Bundesländer veröffentlichten zeitnah ihre eigenen Jagdgesetze, die im Detail deutlich voneinander ab­weichende Bestimmungen enthielten. Als eine der wesentlichen Gemeinsamkeiten ist allerdings zu nennen, dass alle Bundesländer Jagdkarten einführten, die den Antragstellern nach Bezahlung einer Gebühr ausgestellt wurden. Hinzu kamen bestimmte Ausschließungsgründe von der Jagd, wie etwa kriminelle Energie oder Trunkenheit. Eine Jagdprüfung oder der Nachweis von einschlägigen Kenntnissen wurde damals jedoch noch nicht verlangt ...

Artikel in der aktuellen Ausgabe auf Seite 50. 

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