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IM JAGDREVIER

Im Jagdrevier, Oktober 2019

Was lange währt ...

Jagd und Tracht sind untrennbar miteinander verbunden. Nahezu kein anderes Land verfügt über eine derart reichhaltige Tradition wie Österreich. – Zu Besuch bei einer Trachtendesignerin.

Michaela Landbauer, MA

Wenn Christa Doris Steinauer über ihre Dirndlkreationen spricht, über Stoffe streicht, Farben beschreibt und Muster begutachtet, kann man sich nur schwer vorstellen, dass sie jemals etwas anderes gemacht hat. Doch der Leidenschaft zum Handwerk ging eine regelrechte Hassliebe zu Nadel und Faden voran, wie die ­Designerin schmunzelnd verrät . . .

Christa Steinauer ist Geschäfts­führerin von Freiwild-Design, der Trach­ten­­manufaktur, die sie im Jahr 2015 in ihrer Heimat Waidhofen/Ybbs, Niederösterreich, eröffnete. Wir statten der Mostviertlerin in ihrem Trachten-Flagshipstore einen Besuch ab.

Leidenschaft auf Umwegen
Als Trachtendesignerin hat Christa Stein­auer im zweiten Bildungsweg ihre Berufung gefunden. Davor war sie 18 Jahre lang als Bürokauffrau in einem Betrieb tätig. Erst vor wenigen Jahren absolvierte sie bei der Wirtschafts­kammer die Ausbildung zur Damenkleidermacherin. Dabei hätte das Talent zu nähen bereits lange Zeit in ihr geschlummert. „Meine Oma war Schneiderin“, erzählt sie, aber sie selbst habe sich lange Zeit geweigert, mit Nadel und Zwirn zu Werke zu gehen. „In der Schule habe ich immer eine Ausrede gefunden, dass ich nicht selbst nähen musste. Das hat die Oma dann gemacht“, schmunzelt die zier­liche Mostviertlerin. Die Liebe zur Tracht ent­wickelte sich auch erst im Laufe der Zeit. „Die Dirndln in meiner Schulzeit mit 
dem gezogenen Hansl, der Schürze und den Puffärmeln, das hat alles so aufgetragen. Dazu weiße Stutzen, ­katastrophal!“, lacht sie. „Wenn ich früher damit begonnen hätte, selbst zu nähen, wäre es vielleicht anders gekommen“, aber manchmal brauche man eben länger, um zu wissen, wo die Reise hingeht, und die Erfahrung als Einzelhandelskauffrau komme ihr ja nun zugute.

Verspielt & modern
Im Eingangsbereich von Christa Steinauers Trachten-Flagshipstore Freiwild-­Design sticht unter einer Vielzahl von Rehwild-Krickerln eine Holzkommode ins Auge, darauf Fotos von Trachtenhochzeiten. Braut und Bräutigam tragen Maßtracht von Freiwild-Design. „Hochzeiten auszustatten, macht mir be­sonders viel Freude. Bis jetzt habe ich mich auf Maßbekleidung konzentriert, in Zukunft biete ich Tracht für Braut und Bräutigam auch in Konfektionsgrößen an, dazu Deko und Blumenschmuck.“ Letzterer in Zusammen­arbeit mit einer guten Freundin, die als Floristin auch Haarkränze für Braut und Blumen­kinder kreiert.

Wir lassen den Blick im Geschäft weiterschweifen. Zwei Verkaufsräume,  dazwischen wuselt Langhaar-Chihuahua-­Rüde „Oskar“ herum. Steinauer führt hauptsächlich Damenbekleidung, Dirndl, Kleider. Aber auch eine kleine, feine Auswahl an Gilets und Leder­hosen für Männer gibt es. Kleine Lederhosen für Buben, dazu trachtige Hemden, Dirndlkleidchen für Mädchen, mit angenähten Ärmeln statt Dirndlbluse. 

An einer Wand steht eine hölzerne Kleider­puppe, bekleidet mit einem knie­langen, gerade geschnittenen Trachtenrock in Erd- und Beerentönen, dazu eine kecke weiße Bluse. „Es muss nicht immer Dirndl sein“, folgt die Designerin unserem Blick und erklärt, „Freiwild steht für Tracht, die verspielt und ­modern ist.“ Sie erzählt von einem Gehrock für Damen aus urigem Bauern­leinen und großen Hornknöpfen. Der habe sich sofort verkauft. „Mein Ziel ist, dass wieder mehr Tracht im Alltag getragen wird.“ Im Herbst schneidere man Gehröcke aus Loden, künftig auch Wetterflecke. „Ich plane gemeinsam mit einer Jägerin eine Kollektion speziell für Jägerinnen“, verrät die Designerin. Ein erstes Stück in Form eines Jäge­rinnendirndls mit schlichtem, geradem Schnitt und schwarzer Schleife dürfen wir bereits vor Ort begutachten.

Für Männer designt Steinauer Leinen­hosen mit Hosenträgern als ­Alternative zur Lederhose, für Frauen Stücke aus Leinen, wie Jumpsuits und Sieben­achtelhosen, jeweils mit Hornknöpfen. Auch Broschen aus Horn, mit Fasan­deichseln als Blick-fang, könne sich die Designerin gut vor­stellen. Zudem kämen nächstes Jahr Rucksäcke aus festem Leinen mit Leder- und Holz­elementen sowie dem Freiwild­Logo, einem springenden ­Rothirsch, dazu.

„Tracht passt prinzipiell jedem!“, ist sie überzeugt. „Aber jede Figur ist anders, das sollte man gerade bei der Auswahl der Schnitte und Materialien berücksichtigen. Die eine mag Baumwolle, die andere Leinen. Stretchleinen ist ein Stoff, der schmeichelt. Bei ­Kleidung geht’s schließlich darum, dass man sich ­wohlfühlt!“

...

Artikel in der aktuellen Ausgabe ab Seite 38. 

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