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IM JAGDREVIER

Im Jagdrevier, April 2019

Höchst gefährlich: Nachsuchen auf Schwarzwild

Wie gefährlich Nachsuchen auf Schwarzwild in der Praxis sein können, berichtet ein niederösterreichischer Bereichshundeführer.

Mf. Ing. Leopold Staudigl

In meiner mittlerweile 35-jährigen, intensiven Nachsuchentätigkeit habe ich viel erlebt und auch ­zahlreiche Erfahrungen gemacht: Erfolg und Misserfolg, Glück und Pech sowie Freude und Leid lagen dabei oft sehr nah beieinander.

Aus eigener Erfahrung zu lernen, ist zwar in der Regel der effektivste Weg zum Erfolg, aber vielfach auch der schwierigste und leidvollste. Leidvolle Erfahrungen durch eigene Gefährdungen und Verletzungen oder Verlust von Hunden verbessern zwar die Fähigkeit zur Risikoeinschätzung, aber das Wissen um das mögliche Leid von verletzten Tieren verstärkt wiederum auch die Bereitschaft und Verpflichtung zu erhöhtem Einsatz und Aufwand bei den Nachsuchen. Letztlich ist es ein Teufels­kreis, dem man nicht entkommen kann, wenn man sich mit Leib und Seele der Nachsuche verschrieben hat.

Zwei Erlebnisse aus meiner jüngsten Nachsuchentätigkeit, bei der ich einerseits einen Hund verloren habe und anderer­seits selbst von einem Keiler heftig attackiert worden bin, sollen in der Folge mögliche Gefahren bei der Nachsuche auf Schwarzwild und daraus zu ziehende Lehren schildern.

Nur ein Überläufer?
Bei einer großen Riegeljagd in einem Revier mit gutem Vorkommen von Schwarz-, Rot-, Dam- und Rehwild wurden nach dem ersten großräumigen Treiben einige Anschüsse und Kontroll­suchen gemeldet. Während die Jagd am Nachmittag in einem anderen Revierteil fortgesetzt wurde, wollten wir mit zwei Hundegespannen die angesagten Nachsuchen bewältigen.

Ich selbst führte einen äußerst ­erfahrenen, 9-jährigen Deutsch-Kurzhaar-Rüden, der längst gelernt hatte, mit den vielen frischen Fährten und den oft kreuz und quer verlaufenden Schweißfährten umzugehen. Auch beim Stellen wusste er genau, wann er zupacken und wann er Abstand halten musste. So hatte er bis dahin mehrere Hundert Nachsuchen ohne erwähnenswerte Verletzungen überstanden.

Im Laufe des Nachmittags konnte ich so eine kurze Totsuche, eine etwa eineinhalb Kilometer lange Fährtenarbeit auf einen laufkranken Überläufer mit kurzer Hatz und zwei Kontroll­suchen ohne irgendwelche weitere Hinweise auf einen Treffer bewältigen.

Auch das andere, ebenfalls sehr ­erfahrene Gespann hatte schon einige erfolgreiche Arbeiten hinter sich gebracht und „kämpfte“ gerade noch mit der Fährte eines Überläufers mit vermutlichem Schuss im kleinen Gescheide, welche sich in einem Gewirr anderer Schweißfährten zu verlieren schien.

Obwohl es schon bald dunkel ­werden würde, wollte ich mir das noch ansehen. Mein Rüde nahm die Fährte gut an und brachte sie auch schnell und sicher voran, obwohl dann schon längst kein Schweiß mehr auf dem Boden lag und nur noch hin und wieder an stärkeren Stämmen abgestreift war, was uns aber entsprechende Bestätigung lieferte. Einmal fanden wir auch ein kleines Stück vom Darm, das an einem Dornenstrauch abgestreift worden war, wodurch der Sitz der Kugel endgültig bestätigt werden konnte. Auch an der Größe der Fährte, welche hin und wieder im Waldboden zu erkennen war, bestätigte sich, dass es sich um einen Schwarzkittel mit maximal fünfzig Kilo­gramm handeln musste.

Wir hatten nun nach etwa einem Kilometer Fährtenarbeit bereits mehrere gute Einstände durchquert, ohne auf ein Wundbett gestoßen zu sein, und es war uns eigentlich längst klar, dass wir das Stück an diesem Tag kaum noch zustandebringen würden.

Die sichere Arbeit meines Rüden und ein dichter Einstand unmittelbar vor uns ließen uns aber noch einmal Hoffnung schöpfen, und wir wollten trotz nahender Dämmerung noch nicht aufgeben. Auch wusste ich, dass dieser Einstand im Vorfeld von einer Treiberwehr mit guten Hunden durchgedrückt worden war und ich daher nicht annehmen musste, dass noch andere Sauen in dieser Dickung steckten. Das sollte sich als grobe Fehleinschätzung erweisen!

Die Hoffnung, dass sich die kranke Sau in dem dichten Gewirr aus Brombeerstauden, Waldreben und Eichenaufwuchs eingeschoben hatte, war sehr groß. Meine Begleiter konnten den einen oder anderen Dornenverhau ­umgehen, ich aber musste dem Hund an der langen Leine kriechend folgen.

Plötzlich verharrte mein Hund und ­sicherte in Vorstehmanier in eine ­unmittelbar neben ihm befindliche, uneinsehbare Brombeerdickung. Ich war schon auf etwa zwei Meter an ihn heran­gekrochen und konnte immer noch nichts sehen, war mir aber ziemlich sicher, dass wir nun die gesuchte Sau unmittelbar vor uns hätten.

Und dann ging alles blitzschnell! Ein schwarzer, riesiger Schatten schoss heraus, versetzte dem Hund einen Schlag und verschwand wieder in der Dickung, dass es nur so rauschte und krachte.

Weg war er – offensichtlich ein Ungetüm von einem Keiler! Als ich meinen ersten Schock überwunden hatte, sah ich den Kopf meines Hundes in einer riesigen Blutlache liegen – ein Schlag mit den Waffen direkt in die Halsschlagader ließ ihn innerhalb weniger Minuten verbluten. Die Schutz­weste und das Halsband des ­Ortungsgeräts hatten das leider auch nicht verhindern können.

...

Artikel in der aktuellen Ausgabe ab Seite 50. 

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