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IM JAGDREVIER

Reportage, Juli 2018

Blattjagd: wann, wo, wie?

„Warum blatten Sie denn überhaupt, wenn man den Rehbock doch auf dem Ansitz erlegen kann“, fragte mich kürzlich ein Fernseh-Redakteur bei der Vorbereitung einer Sendung über die Lockjagd. Hätte ich ihm gesagt, dass ich den Fiepton eines weiblichen Stückes ausnutze, um den liebestollen, paarungsbereiten Rehbock zu erlegen, wäre die Sendung wohl nicht zustande gekommen. Weiters hinterfragte er, warum es „Blatten“ heißt und nicht „Locken“. – 1. Teil einer informativen Serie.

Klaus Weisskirchen

Früher gab es keine weit reichen­den Kugelbüchsen und ebenfalls keine Zieloptik, wie sie heute Verwendung findet. Die Jäger waren darauf angewiesen, möglichst nah an das Wild heranzukommen. Man ahmte daher die Paarungslaute des weiblichen Rehwildes mit einem Buchen- bzw. Fliederblatt, einem Breitwegerichblatt, einem Strohhalm oder einem Grashalm nach. Meist wurden Halme von der Quecke verwendet, da diese etwas stabiler sind und nicht gleich beim ersten Hineinpusten zerfleddern. Blätter sowie Stroh- und Grashalme funktionieren heute noch wie vor Jahrhunderten – wer’s kann ...

Erste Blattinstrumente
Rehlocker wurden bereits im 17. Jahrhundert gefertigt, meist aus Natur­materialien, wie zum Beispiel aus getrockneten Schilfstängeln und Schilfblättern. Aber auch Stimmzungen aus Messing und feinst getriebene Neu­silberzungen wurden sehr früh verwendet. Diese nannte man auch „Klarinettenzungen“, und das hatte seinen Grund: Der Blattjäger konnte damit die unterschiedlichsten Rehlaute erzeugen. 
Ab 1850 fertigten erfahrene Förster verschiedenste Instrumente, vor allem für den Eigenbedarf und eventuell für Freunde. In den Handel kamen Blattinstrumente zum Beispiel von den Förstern Bierl, Graeber, Engelmann, Hohenadl, Uhlenhuth und anderen. Um die Jahrhundertwende des 19. Jahrhunderts kamen auch schon die ersten pneumatischen Rehlocker zum Einsatz. Die Blattjagd war um 1900 nicht unumstritten, und in vielen Jagdzeitungen wurden heftige Diskussionen darüber geführt, ob diese Jagdart als weidmännisch anzusehen sei. Auch Friedrich von Gagern galt als Gegner der Blattjagd während der Brunft.

Der Natur freien Lauf lassen
Als ich im Alter von 16 Jahren als Jungjäger einen 80 Jahre alten und anerkannten Rehwildexperten in seinem letzten Jagdjahr begleiten durfte, legte er mir ans Herz, der Natur „freien Lauf“ zu lassen und erst nach der Rehbrunft mit dem Blatten zu be­ginnen sowie einen Kümmerer oder Schadbock vor der Hauptbrunft heranzublatten. Seit dieser Zeit (1960) habe ich von 1. Juli bis Ende August stets einen Rehblatter bei der Jagd mit dabei. 
Am 8. Mai letzten Jahres war ich auf Fotobirsch, als eine Geiß mit einem schon recht strammen Kitz auf einem Waldweg vor mir herzog. Ich schätzte das Alter des Kitzes auf mindestens acht Tage. Der Eisprung der Geiß erfolgt in der Regel etwa 65 Tage nach dem Setzen; in diesem Fall wäre der Eisprung also in die ersten Julitage gefallen. Kaum ein Jäger denkt zu diesem Zeitpunkt aber schon an die Brunft, nicht wahr? Vor einigen Jahren hatte ich wiederum am 18. August ein sehr schwaches Schmalreh vor mir, welches Minuten später von einem Jahrling beschlagen wurde.
Der Markt bietet eine ganze Reihe von Rehrufen an; sie alle sind durchwegs verwendbar, so der Jäger diese Instrumente auch beherrscht. Bis zur Jahrtausendwende bevorzugte ich Rehrufe mit Stimmzungen (etwa von Buttolo, Reitmayr, Demmel oder den eigenen). Hierbei kann man mit den Lippen und dem Zeigefinger die unterschiedlichsten Rufe hervorbringen: vom Fiep, Kitzfiep, Fiep-Piu über den Sprengfiep bis hin zum Angstgeschrei. 

Wann blatten?
Ab der ersten Augustwoche bis Mitte August blatte ich in der Regel am erfolg­reichsten ...

Artikel in der aktuellen Ausgabe auf Seite 32. 

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