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IM JAGDREVIER

Im Jagdrevier, Dezember 2017

Schwarzwild: scheu gejagt?

Das Schwarzwild zählt neben dem Fuchs und den Rabenvögeln zu den intelligentesten Tieren in unseren Jagdrevieren und lernt aus jagdlichen Fehlern . . . – 1. Teil.

Fritz Wolf

Viele Vorträge über seine Bejagung wurden schon gehalten, Tipps und Tricks über erfolgreiche Bejagungsstrategien verraten und Taktiken zur Redu­zierung erarbeitet. Dennoch muss man in manchen Revieren erkennen, dass es allein die Schwarzkittel sind, die die Kontrolle über die dort jagenden Menschen und ihre Reviergewohn­heiten übernommen haben – und nicht umgekehrt. 
In vielen jagdlich geführten Gesprächen, Artikeln und Veröffentlichun­gen wird von einer „Bewirtschaftung“ der Schwarzwildbestände gesprochen. Damit wird der Wunsch nach einem Ziel offenkundig, bei dem vor allem Wildschäden an landwirtschaftlichen Flächen vermieden werden sollen. Zudem muss der Ausbruch von Seuchen hintangehalten werden und das Erhalten oder Erreichen einer tragbaren Schwarzwilddichte in einem bestimmten Bereich – Revier oder Hegering – als umsetzbares Ziel in einen gemeinsamen Fokus rücken.
Mitentscheidend für die Verwirk­lichung und die Erfüllung dieses Zieles sind, neben dem jagdhandwerklichen Geschick, auch der Wille und die Bereitschaft der handelnden Personen, revierübergreifend denken zu wollen. Dabei ist der Entschluss, miteinander, mit den Reviernachbarn oder innerhalb eines Hegeringes, wirkungsvolle Strate­gien zur Schwarzwildbejagung in Angriff zu nehmen, entscheidend. Vielfach ist diesbezüglich leider immer noch ein Schrebergartendenken“ vieler Jäger erkennbar.
Das Schwarzwild profitiert in unserer heutigen Kulturlandschaft vor allem von einem breit gestreuten Futter­angebot. Die Zunahme von Maisanbau­flächen spielt hierbei ebenso eine Rolle wie die in immer kürzeren Intervallen auftretenden Mastjahre bei Rotbuche und Eiche. Durch eine regionale, flächendeckende Kirrung der Jäger und dem „Mitnaschen“ an Reh- und Rotwild­fütterungen verteilt sich das Schwarz­wild und kann mittlerweile bis auf Seehöhen von mehr als 2.000 m gefährtet und erlegt werden. Die spürbare Klima­erwärmung kommt dieser Spezies zusätzlich entgegen und bewirkt scheinbar eine geringere Frischlingssterblichkeit. Da auch die Winter in den alpinen Regionen immer milder werden, profitiert auch hier das Schwarz­wild und er­weitert somit sein Ausbreitungsgebiet.
Um die Sauen verstehen und sie auch entsprechend bejagen zu können, muss man sich ebenso mit der Lebensweise dieser Tiere befassen. Das Schwarz­wild lebt in Rottenverbänden und ist somit ein ausgesprochenes Kontakttier. Der Führungsanspruch in einer Rotte obliegt der Leitbache. Sie bestimmt im wesentlichen die Aktivitäten der Rotte, wie etwa die Nahrungssuche, die Auswahl der Suhlen oder den Zeitpunkt der Rauschigkeit. Wird die Leitbache rauschig, so überträgt sie ihr unruhiges Verhalten auf die restlichen Bachen innerhalb der Rotte.
Wildbiologische Erkenntnisse der letzten Jahre haben ergeben, dass der Einfluss der Leitbache auf das Rauschig­werden anderer Rottenmitglieder vor allem in Zeiten des Nahrungsmangels eine geburtshemmende Wirkung hat. In Zeiten des Nahrungsüberflusses spielt diese Art der internen Geburtenregelung nur eine untergeordnete Rolle.

Je älter, desto intelligenter
Als logische Tatsache muss man er­kennen, dass ältere Tiere mehr Lebens­erfahrung mitbringen und diese demnach auch an ihre Nachkommen weitergeben. In der Praxis heißt das: Je mehr ältere Tiere in den Rotten­verbänden verbleiben, desto intelli­genter wird der Schwarz­wildbestand. Das bedeutet aber auch, dass an Lebens­erfahrung reiche Sauen genau wissen, wo und wann es sich ungestört wühlen lässt und wo man die Teller auf Radar­empfang schalten muss, um seine Schwarte zu retten ...

Artikel in der aktuellen Ausgabe auf Seite 42. 

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