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IM JAGDREVIER

Im Jagdrevier, August 2019

"Schimpansen der Lüfte"

Wer sich auf Krähenjagd begibt, muss so einiges beachten.
Das oberste Credo? – Kreativität und die Bereitschaft, stets offen für Neues zu sein. Wir waren mit einem Profi unterwegs.

Michaela Reisel, MA

Es gibt leichtere Aufgaben, als Krähen zu bejagen. Um bei dieser Jagdart erfolgreich zu sein, gilt es, einiges zu beachten. Wussten Sie zum Beispiel, dass Krähen auch „Schimpansen der Lüfte“ genannt werden? Nicht ohne Grund, gelten sie doch als das intelligenteste Federwild der Welt. Sie speichern Situationen ab und lernen daraus, prägen sich ihre Umgebung ein, bringen Fahrzeuge mit bestimmten Menschen in Verbindung und erkennen Gefahren. Es gibt also definitiv leichtere Aufgaben, als Krähen zu bejagen. Genau darin aber liegt der Reiz für Reinhard Bayer aus Deutsch Haslau, Bezirk Bruck/­Leitha, NÖ. Reinhard ist Obmann des Fachausschusses für Raubwild im ­Bezirk, vor mittlerweile 10 Jahren entdeckte er die Krähenjagd für sich. Ein befreundeter Jagdkollege brachte damals das Equipment von der Jagdmesse „Die Hohe Jagd & Fischerei“ in Salzburg mit, als neue Idee der Prädatorenbejagung. Nach anfänglicher Skepsis – „Was, jetzt bejagen wir auch schon Krähen?“ – wagte Reinhard selbst einen Versuch. Seitdem folgten mehr als 1.000 Ansitze: „Jeder Ansitz ist anders, abhängig vom Terrain, Wind oder dem Stand der Sonne. Im Laufe der Jahre habe ich die unterschiedlichsten Tarnschirme und Lockbilder ausprobiert. Das ist das Spannende an der Krähenjagd. Man muss immer kreativ und offen für Neues sein.“

Gründe für die Krähenjagd
„Ob Singvögel, Baum- und Boden­brüter oder Niederwild – es geht um Niederwild-hege und Artenschutz“, erklärt Reinhard. In der Gegend rund um Deutsch Haslau mache sich die ­Bejagung von Raubwild bemerkbar, etwa am Feldhasenbesatz und an den jährlichen Niederwildstrecken. Ein weiterer Punkt sei die Vorbeugung von Wildschäden auf landwirtschaftlichen Nutzflächen. Pünktlich zu Beginn der nö. Schusszeit am 1. Juli sind wir mit Reinhard zur Krähenjagd verabredet. In der Woche vor der Jagd rief ich ihn noch einmal an, um sicherzugehen, dass wir an alles Wichtige gedacht haben: Jagd­papiere, ­Gehörschutz, Tarnbekleidung, Dreibein, Flinte, Munition, usw.  „Wann ist die Jagd auf ­Krähen am effektivsten?“, frage ich. „Zu Beginn der Schusszeit ist die Jagd sehr Erfolg versprechend. Die Jung­vögel sind naiv, kennen die Gefahren noch nicht. ­Wichtig ist die Bejagung aber auch zum Ende der Schusszeit, die mit dem Setzen der Junghasen und mit dem ­Anlegen der Gelege zusammen­fällt. Im Februar und März ist es erforder­lich, dass man den Druck der Krähen im ­Revier so gut wie heraus­nimmt“, weiß Reinhard.

Revierbesichtigung
Am Vorabend der Jagd besichtigen wir das Revier. Neben Reinhard wird auch Stefan bei dem Ansitz mit dabei sein, ein weiterer passionierter Krähenjäger aus Deutsch Haslau. Vierbeinige Unter­stützung erhalten wir von Fina, Reinhards Deutsch-Drahthaar-Hündin. Sie wird die erlegten Krähen aus dem Lockbild holen und zu uns in die Tarnschirme bringen. Wo werden wir diese platzieren? Wo das Lockbild?
Aufgrund des prognostizierten Ost­winds eruieren wir den passenden Standort für die Schirme am Rand eines Maisfeldes. An den Ausläufen des Feldes haben Krähen die jungen Maispflanzen großflächig aus der Erde gepickt, in diesen Bereichen steht die Frucht nur sehr locker. „Die Krähen suchen Draht­würmer an jungen Mais-pflanzen und rupfen diese aus“, erklärt Reinhard. Mit wenigen Handgriffen stellen wir zwei Tarnschirme, das sind mit Kunststoff- bzw. Metallstäben verstärkte Zelte aus synthetischem Camouflage-­Stoff, auf. Nach oben hin offen, kann man aufrecht darin stehen. Einem Erwachsenen reicht der Schirm etwa bis zur Brust; zwei Personen samt Dreibein, Flinte, Rucksack und Munition finden darin Platz. An die Schirme lehnen wir, tatkräftig unterstützt von Reinhards Sohn Daniel, als zusätzliche Tarnung einige Maispflanzen. Das Lockbild bauen wir erst früh am Morgen auf, unmittelbar vor der Jagd. Es ist dabei auf die Schrotschussdistanz zwischen Lockbild und Tarnschirmen zu achten!

Wichtig: die Tarnung!
Gibt es Kardinalfehler, die man bei der Krähenjagd machen kann? – „Sich nicht ausreichend zu tarnen und der Umgebung anzupassen“, ist Reinhard überzeugt. Bereits für die Morgen­stunden sind warme Temperaturen ­angesagt, dennoch werden wir lang­ärmelige Tarnbekleidung tragen. In erster Linie, um nicht von den Krähen wahrgenommen zu werden, aber auch zum Schutz vor Insekten, wie Gelsen und Bremsen. Obligatorisch sind zudem Gesichtsmaske und Handschuhe, ebenfalls in Tarnoptik. Welche Munition empfiehlt Reinhard? – „Einige verwenden Schrot mit 2,7 mm, aber gerade im Winter, wenn die Krähe ein dichtes Federkleid hat, ähnlich einer Ente, sollte man nicht unter 3 mm gehen. Am Anfang der Schusszeit sind 2,7 mm okay. Ich schieße das ganze Jahr mit 3,25 mm.“

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Artikel in der aktuellen Ausgabe ab Seite 36. 

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