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IM JAGDREVIER

Reportage, April 2020

Jagd & Handwerk

In dieser Serie wagt das WEIDWERK einen Blick hinter die 
Kulissen des Handwerks Jagd in seinen unterschiedlichen Facetten. – 5. Teil: Zu Besuch bei Taschner Raphael J. Sima in Wien.

Michaela Landbauer, MA

Es gehört eine ordentliche Portion Mut dazu, um sich einem alten Handwerk wie dem des ­Taschners zuzuwenden und sich damit selbstständig zu machen. Noch dazu, wenn man ursprünglich mit etwas völlig anderem seine Brötchen verdient hat. Der 34-jährige Quer­einsteiger Raphael Sima ist einer der wenigen noch verbliebenen Taschner Wiens und einer der letzten in Österreich, die sich auf die Herstellung 
von Jagdlederwaren spezialisiert haben. Was ihn dazu bewogen hat, seinem 
gut bezahlten Job in der Werbebranche den Rücken zuzukehren und sich dem Handwerk der Taschnerei zuzuwenden, hat er uns erzählt.

Stücke für ein Jägerleben
„Ich will Dinge erschaffen, die vererbt werden“, erzählt Raphael Sima. In seiner Werkstatt im 12. Wiener Gemeinde­bezirk fertigt er seit zwei Jahren ­Jagdlederwaren an. Es ist kein Zufall, dass er die Gegend rund um das Schloss Schönbrunn als Standort für sein kreatives Schaffen gewählt hat. 

In dem Grätzl sind seit vielen Jahrzehnten unterschiedliche Handwerksbetriebe angesiedelt. Ob Goldschmied oder Lederwarenfachgeschäft – hier wird etwas mit den Händen geschaffen. „Das Schöne daran, wenn man alles per Hand macht, ist, dass man sich an keine Normen halten muss, sondern seinem Gespür für Ästhetik freien Lauf lassen kann. Mein Credo: Man muss das Rad nicht neu erfinden, aber man kann es neu interpretieren!“ Raphael Sima fertigt mit Flinten- und Gewehrfutteralen, Jagd- und Patronentaschen sowie Jagdrucksäcken Stücke, die seine Kunden ein Jägerleben lang begleiten.

„Ein Arbeitstag in der Werkstatt beginnt mit dem Herrichten der ­be­nötigten Teile. Wenn ein Muster ­angefertigt werden soll, zeichne ich es auf einem Stück Packpapier auf. ­Danach übertrage ich es auf das Leder und schneide dieses entsprechend zu“, erzählt er. „Mit der Schärf­maschine ­bearbeite ich das Leder an den not­wendigen Stellen, anschließend beginnt die Näharbeit.“ Genäht wird übrigens nur mit Nylonfäden, die reißen nämlich nicht. Der Taschner glättet mit dem Falzbein Lederkanten, setzt Außen­taschen an Jagdrucksäcke, fascht Ecken ab, stanzt Löcher für Verschlüsse und bringt Applikationen, wie Schnallen, Bügel, Ringe und Ösen aus Massiv­messing, an Patronentaschen an. Als letzten Schliff und für die persönliche Note bringt er sein Logo sowie die ­Initialen oder das Familienwappen des Käufers an einer Stelle des Werkstückes an – et voilà, fertig ist der lederne ­Begleiter. „Ich versehe auch alther­gebrachte Lederprodukte mit neuem Pep, während ich die guten Dinge ­beibehalte.“ Auch Sonderanfertigungen und Spezialwünsche werden erfüllt, etwa Etuis für Patronen bzw. Lockrufinstrumente, Patronengürtel und Messerscheiden für Jagdgnicker. „Eine Herausforderung ist es, wenn der Kunde das Leder mitbringt, von einem Stück Wild, das er selbst erlegt hat, und es dieses daher auch nur ein einziges Mal gibt.“ 

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Artikel in der aktuellen Ausgabe ab Seite 36. 

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