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IM JAGDREVIER

Reportage, September 2018

Maßgeschneidert!

Ein Maßschaft ist für den anspruchsvollen Flintenschützen wie das Salz in der Suppe – erst ein solcher macht das Gewehr vollkommen. Kein Wunder, denn als Spezialanfertigung ist er perfekt an den Körper des Schützen angepasst und erhöht die Trefferquote ungemein. Das WEIDWERK hat sich bei einem italienischen Schäfter angeschaut, worauf es bei einem Maßschaft ankommt. 

Christoph Tavernaro

Zahlreiche namhafte Flintenhersteller verwenden für ihre „Schäfte von der Stange“ ein Standardmaß. Dieses ist so ausgelegt, dass die Schäfte den meisten Anwendern passen. Der durchschnittliche Kunde ist etwa 180 cm groß und wiegt 80 kg. Für diese Maße sind die meisten Flintenschäfte ausgelegt.
Je nach Anwendung gibt es verschiedene Schaftformen; die gängigs­ten sind Jagdparcours, Compak Sporting, Trap und Skeet. Innovative Unter­nehmen bieten zusätzlich sogar speziell angefertigte Damenschäfte an. Bei den Herren­modellen sind sämtliche Schaftformen auf den Standardschützen mit den Standardmaßen ausgelegt.
Bei keiner anderen Disziplin ist ein passender Schaft so wichtig wie beim Flintenschießen. Der Schütze muss immer im richtigen Abstand und Winkel auf die Laufschiene blicken, um eine konstante Treffpunktlage zu erzielen. Abweichungen von ein paar Millimetern zur Seite oder in der Höhe führen auf Schrotschussentfernungen von 35 m bereits zu massiven Verschiebungen der Treffpunktlage und somit unweiger­lich zu Fehlschüssen. Diese allein sind schon ärgerlich, aber zusätzlich kommt es regelmäßig zu Verletzungen, wie etwa blauen Flecken und Schwellungen an Schulter und im Gesicht. Kein Wunder, dass manchem Schützen so die Lust am Schießen vergeht.

Maßarbeit
Wer also von den zuvor genannten Standardmaßen abweicht, muss seinen Schaft verändern. Dies ist viel öfter der Fall, als man glauben würde, denn auch bei gleicher Größe und gleichem Gewicht sind Menschen immer noch recht unterschiedlich. Der eine hat einen langen, der andere einen kurzen Hals, eine schwache oder starke Brust, lange oder kurze Arme, lange oder kurze Finger, kleine oder große Hände oder einen schlanken oder runden Kopf. Die variablen Faktoren sind schier unendlich, und somit auch die individuellen Schaftmaße. Viele versierte Büchsenmacher kürzen bzw. verlängern daher die Schäfte oder biegen sie auch im Ölbad. Hie und da kann auch noch etwas weggefeilt werden, aber die Möglichkeiten für Veränderungen sind naturgemäß begrenzt. Wie ein Kleidungsstück, das nicht passt, kann auch ein Flintenschaft nur bedingt geändert werden. Eine Hose, die im Bund zu eng und am Bein zu kurz ist, kann selbst der beste Schneider nicht passend machen, und wenn doch, dann nur sehr unschön durch Einsetzen von zusätzlichem Material. Daher nutzen anspruchsvolle Schützen den Maßschaft. Dieser ist bildlich gesprochen nichts anderes als ein maß­geschneidertes Hemd, das speziell auf die Körpermaße des Kunden angepasst wird und perfekt sitzt. Einige Waffenhersteller haben eigene Schäfter angestellt, andere wiederum arbeiten mit selbstständigen Schäftern zusammen. Gerade bei preiswerten Flinten ist ab Werk oft kein Maßschaft verfügbar. Der Preis eines Maßschaftes variiert sehr stark, und vielfach ist er bei Neubestellung einer Flinte gegen Aufpreis zu bekommen. Nachträglich kosten Maßschäfte je nach Aufwand und Verarbeitung oft genauso viel wie die Flinte selbst. Und das sind schnell einmal zwischen € 3.000,– und € 5.000,–. Wenn dann noch exklusive Wurzel­hölzer verarbeitet werden sollen, ist der preisliche Spielraum nach oben weit­gehend offen.

Der Schäfter
Es gibt keine Formel, um die Daten für einen Maßschaft zu ermitteln, daher ist ein hohes Maß an Erfahrung des Schäfters notwendig. Viele Schäfter können einen Schaft exakt nach vorgegebenen Maßen anfertigen, aber nicht jeder davon kann die genauen Maße für den Flintenschaft auch ermitteln. Hier gibt es Spezialisten, die sich dem Schäften von Sport- und Jagdflinten gewidmet haben und dies perfekt beherrschen. Ein solcher ist Essevierre, der in Marcheno (Brescia), Italien, beheimatet ist und Maßschäfte für namhafte Flintenhersteller fertigt. Ihn haben wir besucht und ihm bei der Arbeit über die Schulter geschaut ...

Artikel in der aktuellen Ausgabe auf Seite 40. 

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