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IM JAGDREVIER

Im Jagdrevier, Juni 2017

Drohnen-Kitzsuche

Der Drohnen-Schwerpunkt in der Jänner-Ausgabe des WEIDWERK sorgte für Aufsehen in der Medienlandschaft, selbst die „Kronen Zeitung“ berichtete darüber. In den letzten Wochen waren wir hautnah dabei, als es darum ging, Rehkitze mit unbe­mannten Luftfahrzeugen vor dem Mähtod zu retten. – 2. Teil einer spannenden Serie.

Ing. Martin Grasberger

Im Zuge der Fachmesse „Die Hohe Jagd & Fischerei“ in Salzburg wurde von einigen Jägern die Kritik geäußert, was denn ein Jagdmagazin wie das WEIDWERK mit diesen neumodischen „Drohnen“ am Hut habe. Man könne doch mit dem Jagdhund die Rehkitze in den Wiesen suchen oder wie gehabt am Vorabend der Mahd „aufstecken“. Gut, an den tradierten Methoden hat sich wenig geändert, allerdings bietet die „moder­ne Technik“ völlig neue Möglichkeiten. Welche genau, haben wir uns Mitte Mai 2017 im Zuge eines Praxistests mit einem der führenden Experten Österreichs, dem flugbegeisterten Jäger Rudolf Burg­holzer, bei einer Kitzsuche mit einem un­bemannten Luftfahrzeug („Drohne“) im Detail angesehen.
Um 5.30 Uhr kommen wir im etwa 2.000 ha großen Genossenschaftsrevier in Behamberg, Bezirk Amstetten, an und treffen uns mit den an der Kitz­rettung maßgeblich beteiligten Jägern, die bereits alle für die Suche notwen­digen Geräte ins Fahrzeug laden: 

  • Rudolf Burgholzer (Initiator, Drohnenpilot)
  • Martin Schweinschwaller („Co-­Pilot“, Koordinator und Einweiser des Figuranten)
  • Hans Seirlehner (Figurant, der die Kitze sucht und austrägt)

Der Drohnenflug erfolgt in der Regel mit 3–4 Personen: dem Piloten, einem Gehilfen, der bei der Suche auf dem Bildschirm durch das 4-Augen-Prinzip für noch mehr Sicherheit sorgt, und einem weiteren Gehilfen, der vom „Co-Piloten“ per Funkgerät zum gefundenen Rehkitz gelotst und instruiert wird. Wie effektiv ein derart einge­spieltes Team arbeiten kann, soll in den nächsten eineinhalb Stunden deutlich werden.

Nicht nur für Jäger relevant!
„In unserem Revier haben wir uns schon immer bemüht, einen guten Kontakt zu den Landwirten zu pflegen, und daher werden wir zeitgerecht verständigt, bevor eine Wiese gemäht wird“, erzählt Rudolf Burgholzer. 
Die Zustimmung zum Überfliegen der Wiesen werde von den Landwirten bereitwillig gegeben, da gemähte Kitze für die landwirtschaftlichen Nutztiere eine eminente Gefahr darstellen, so Burgholzer weiter. Wenn zum Beispiel Kadaver von Rehkitzen oder Feldhasen nach dem Mähen unerkannt in den Silo gelangen, vermehrt sich durch den Gärprozess im Fleisch das Bakterium Clostridium botulinum. Dieses stäbchen­förmige Bakterium setzt das hoch­potente Nervengift Botulinum­toxin frei. Wird das damit kontaminierte Futter vom Nutzvieh aufgenommen, erkrankt es an Botulismus mit Kau- und Schluckbeschwerden, Lähmungserscheinungen und starkem Speichel­fluss; letztlich erstickt es qualvoll.
Im Vorjahr wurden von Rudolf Burgholzer und seinem Team ins­gesamt 48 Kitze gefunden, 20 Kitze eingefangen und ausgetragen; 3 Kitze wurden gemäht; die Erfolgsquote beträgt beachtliche 94 %! Abgesucht wurde eine Fläche von etwa 170 ha in einer Flugzeit von 20,5 Stunden (7,24 Min./ha). Die meisten Einsätze wurden Anfang/Mitte Mai geflogen ...

Artikel in der aktuellen Ausgabe auf Seite 40. 

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