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BUCHAUSZUG

Gelesen, Juni 2017

Damaszenermesser

Damaszenermesser sind Kunstwerke des Schmiedehandwerks und erfordern neben einer geduldigen Hand viel Geschick und Erfahrung im Umgang mit dem glühenden Stahl. – Auszug aus dem Buch „Damaszener – Zauber der wilden Klinge“ von Heribert Saal.

Ich bin nicht nur Liebhaber von Damaszenermessern, sondern auch passionierter Jäger. Ich habe ein Revier in Pacht, in dem das wehrhafte Schwarzwild vorkommt. Insofern habe ich bei jedem Reviergang eines meiner feststehenden Messer dabei, wobei vor der Jagd zu Hause die Auswahl bei den Messern sozusagen reihum geht. Trotzdem, es kristallisieren sich doch gewisse Vorlieben für das eine oder andere Messer heraus. 
Eine dieser Vorlieben ist das lange Jagdmesser mit Torsionsklinge von Jan Krauter. Das Torsionsklingenmuster entsteht ja, indem eine ausgereckte Schiene Wilder Damast zu einem Vierkant geschmiedet wird. Dieser Vierkant wiederum wird so weit erhitzt, dass er sich verdrehen (= tordieren) lässt. Nachdem das geschehen ist – manchmal nur zehn Umdrehungen, manchmal zwanzig und mehr – wird dieser Damaststahlwendel wieder zu einem Vierkant geschmiedet und sodann zur Schiene ausgereckt, aus der dann schließlich die Klinge geschnitten wird. Durch das Formschleifen am Bandschleifer und den anschließenden schrägen Anschliff der Klingenschneide wird die einzigartige Schleierzeichnung der Klinge sichtbar – natürlich erst nach dem Ätzen. Schon als ich die unten ab­gebildete Klinge das erste Mal sah, war ich hin­gerissen von der so überaus prägnanten Musterung. Torsions­damast mit 220 Lagen hat im Gegensatz zu dieser Klinge zwar eine höhere Feinheit der Linien und eine besondere Eleganz, jedoch kommt das Muster nicht so prägnant und ins Auge springend heraus wie bei 160 Lagen.
Und als ich dann mit der Klinge in der Hand meine Messerhölzer durchmusterte, griff ich spontan zu dem Honduras-Maserpalisander mit dem fein gewellten Maserverlauf, eine Seltenheit bei Honduras-Maserholz. Das Endergebnis: ein wahrhaft adeliges Messer ...

Artikel in der aktuellen Ausgabe auf Seite 61. 

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