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Erzhlung, Jnner 2019

Heimliche Rehwildjäger

Füchse sind, das weiß jeder, äußerst intelligent. Wenn sie Nahrung wittern, unternehmen sie einiges, um dieser
auch habhaft zu werden. – Über den roten Spezialisten.

Martin Pickl

Viele Geschichten rund um die Jagd sind schlicht erfunden oder werden vom Erzähler derart ausgeschmückt, dass sie nur mit viel Fantasie zu verstehen sind. Neben Jägerlatein und diversen ­Fabeln gibt es Geschichten und Erlebnisse, die trotz ihrer fantastisch anmutenden Inhalte wahr sind. Von drei derartigen Geschichten – für alle gibt es Zeugen –, die vor nicht allzu langer Zeit in Jagdrevieren des östlichen Niederösterreichs und des Südburgenlandes passiert sind, möchte ich hier berichten.

Oft unterschätzt: Einfluss des Fuchses auf die Rehwildpopulation!
Schon seit Langem wissen Jagdpraktiker, dass erwachsene Füchse, Rüden wie Fähen, aktiv in die Rehpopulation eingreifen. Und das nicht nur bei Rehkitzen, die nach dem Setzakt für einige Zeit allein im Gras oder im dichten Bewuchs ­abgelegt und so zur leichten Beute von Meister Reineke werden. Nein, es gibt unter den roten Freibeutern sogar Spezialisten, die gezielt Jagd auf Rehwild, damit meine ich Jahrlinge und ältere Stücke, machen!

So konnte ich selbst Zeuge eines Angriffs auf ein Schmalreh werden, als ich im Sommer bei einem Abendansitz kurz nach Sonnenuntergang lautes Rehklagen in einem nahen Erlenwald vernahm. Zuerst dachte ich, dass vielleicht schon das ­Treiben der Rehböcke begonnen hätte und die Geißen noch nicht in entsprechender Stimmung wären. Kurz darauf sah ich aber, wie eine Schmal­geiß, die sehr gut im Wildbret stand, hochflüchtig aus dem Wald in Richtung meines Hochstandes flüchtete. Etwa fünf Meter hinter ihr war ein Fuchs, der die Geiß mit angelegten Gehören und wehender Lunte wild verfolgte. Die Geiß flüchtete in einen nahen Maisacker – der Fuchs hinterher. Ich pfiff und schrie, doch der Fuchs war so mit seiner Hetze beschäftigt, dass er auf meine Laute nicht ­reagierte. Nach kurzer Zeit sah ich den Fuchs wieder, der sich am Rand des ­Maisfeldes auf seine Keulen ­setzte und ich ihn schließlich erlegen konnte.

Es war eine stattliche Fuchsfähe, die sich offensichtlich auf die Rehjagd spezialisiert hatte. Schon Tage vorher hatte ich auf derselben Wiese vor dem Erlenwald zwei frische Rehhäupter und Rehknochen gefunden. Zuerst hatte ich mir ­keinen Reim darauf machen können, nun war die Sache aber glasklar.

Alternative Nahrungschancen
Es ist nichts Neues, dass der rote Freibeuter ein ungemein anpassungsfähiger Prädator ist. Sobald er Nahrungschancen für sich entdeckt, nutzt er diese auch. Die zweite Geschichte, die dieses Thema ­betrifft, trug sich in einem zweihundertfünfzig Hektar großen Niederwildrevier im östlichen Niederösterreich zu, ...

Artikel in der aktuellen Ausgabe auf Seite 24. 

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