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ERZHLUNG

Erzhlung, Oktober 2017

Auf Böhmischer Streife . . .

Langsam und leise kreist die Jagdgruppe eine verdächtige“
Stelle ein – da saust ein starker Fuchsrüde aus seiner grünen Blätterdeckung . . .

Wie ein gewaltiger „Koffer mit Federn“ schwingt sich Artur, der Steinadler meines Jagdkollegen Oliver, schnell in Richtung des Feldgehölzes auf, wo die rote Lunte gerade verschwindet. An den ersten Pappeln steilt der Greif in einer eleganten Wendung nach oben und fußt auf einem Ast. Mit dem Fernglas können wir den Vogel gut beobachten. Aufgeregt nickt er mit dem Kopf und sucht scharfen Blickes die Umgebung ab. Da, vor der kleinen Feldbrücke, ein rötlicher Schatten! Reineke versucht sich im Altgras hinter der Brücke zu drücken, obwohl zwei Treiber ihn unmittelbar anlaufen. Er hat längst erkannt, dass die Gefahr diesmal nicht von den Menschen und deren Hunden ausgeht . . .
Die Treiber sind noch zehn Meter entfernt, da verliert der Fuchs die Nerven, begeht den entscheidenden Fehler und versucht, über eine unbestellte, deckungslose Ackerfläche zu entkommen. Schon löst sich Artur im steilen Sinkflug aus den Pappeln und nutzt die Thermik wie den Anlauf einer Skisprungschanze. Nach wenigen Sekunden ist er über dem flüchtigen Rotrock – der Angriff wirkt auf den Beobachter, als würde ein großkalibriges Geschoss einschlagen.
Der Fuchs zuckt noch mehrfach mit der Lunte, beißt orientierungslos um sich und verendet unter den brutalen, kraftvollen Schnabelhieben. Mit den breiten Schwingen mantelt Artur die Beute und beginnt zu kröpfen. 
Oliver läuft sofort zu seinem Jagdkumpan und versucht, diesen mit einem Hühnerbein von der Beute abzulenken. Denn ist der Adler erst einmal satt, können wir die weitere Jagd für heute vergessen – auch ein ausgebildeter Beizvogel jagt, um satt zu werden.
D
er Fuchs scheint so schmackhaft zu sein, dass sich Artur nicht einmal von seiner Leibspeise, den vor seinen Augen baumelnden Hühnerkeulen, beeindrucken lässt. Oliver muss alle Tricks anwenden, um den Vogel auf die Faust zu bekommen. Wir machen eine kurze Pause, um das Frühstück zu genießen. Anschließend holt Gerold seinen einjährigen Jungadler aus dem Transporter. Der Nachwuchs ist heute zum „Hasenschauen“ mitgekommen. Einen lebenden Hasen hat er bis jetzt noch nicht  gesehen. Auf Gerolds Faust schüttelt er sich das Gefieder zurecht. Als er die Schwingen spreizt, fällt mir der prächtig dunkelbraun-weiß gezeichnete Stoß ins Auge. Meine erste Eingebung: lndianerfedern! Ich spreche Gerold darauf an: „Richtig! Der Kopfschmuck der Prärieindianer bestand aus den Stoßfedern der Jungadler, später im adulten Federkleid sind sie nur noch braun. Auch heute wird eine einzige dieser Federn noch mit hundertfünfzig Euro gehandelt!“
Neuer Acker, neues Glück! Wir laufen wieder zur sogenannten Böhmischen Streife aus. Dabei wird kein geschlossener Hasenkessel, sondern ein an der Längsseite offenes Rechteck gebildet. Dieses Rechteck bewegt sich in Richtung der offenen Seite über das zu bejagende Gebiet vorwärts. Die meisten Hasen flüchten zunächst vor der anrückenden Front nach vorn, kehren jedoch nach einiger Zeit um, in dem Bestreben, zu ihrer Sasse zu kommen, oder versuchen, rechts und links durch die Linien zu brechen. Mit dieser Jagdart kann man sehr große Flächen schonend bejagen.
Links neben mir geht Gerold, rechts sind zwei Treiber, und anschließend geht Jörg mit seinem Habicht. Drei Harris-Hawks, ein weiterer Habicht sowie Oliver und Artur reihen sich in die Treiberkette ein. Hier auf dem Winterweizen sind die Bedingungen für die Beizjagd sehr ungünstig. Die Hasen stehen zweihundert Meter vor uns aus der Sasse auf und rasen Haken schlagend in die nächste Deckung ...

Artikel in der aktuellen Ausgabe auf Seite 28. 

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