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ERZHLUNG

Erzhlung, Mai 2018

Fliegende Kitzsuche

Neben traditionellen Methoden zur Jungwildrettung werden heute oftmals auch Drohnen mit Wärmebildkameras verwendet. Dabei hat man die erstaunlichsten Erlebnisse ...

Rudolf Burgholzer

Wir verwenden mittlerweile das vierte Jahr eine Drohne mit Wärme­bildkamera zur Kitz­suche, und je mehr ich mich damit beschäftige, desto begeisterter bin ich.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Kitz­suche ist natürlich ein gutes Verhältnis mit den Grundeigentümern. Wir pflegen den Dialog mit den Landwirten und haben immer ein offenes Ohr für ihre Anliegen. Dafür kommen sie uns auch gerne entgegen, wenn es um unsere Wünsche geht. Jedes Jahr bitten wir sie, uns vor der Wiesenmahd Bescheid zu geben, wann gemäht wird. Diese Verständigung funktioniert bis auf wenige Ausnahmen wirklich sehr gut.
Bei warmem Wetter ist das Suchen äußerst anstrengend, da wir an diesen Tagen etwa zwanzig bis dreißig Hektar Wiese absuchen. Da die Sonne direkt auf die Wiesen scheint und sich die Grashalme und Blätter durch die Sonneneinstrahlung erwärmen, ist die Suche nur in der Morgen­dämmerung bis etwa 8 Uhr gut möglich.

Alle gerettet!
Gerne erinnere ich mich an erfolgreiche Suchen zusammen mit meinem Freund Hans. Es war der 17. Mai, als mich ein Landwirt anrief, ich möge wegen der Kitze schauen, da er am nächsten Tag mähen wolle. So starteten wir, Hans und ich, am nächsten Morgen um 6 Uhr, ausgerüstet mit Drohne, Funkgeräten, Jutesäcken und wasserdichter Überhose – diese darf keinesfalls fehlen!
Es war ein schöner klarer Morgen, ideal für die Suche. Am Suchort machten wir die Drohne mit der Wärmebildkamera startklar. Ich startete die Motoren und brachte die Drohne zügig auf eine Flughöhe von siebzig Metern, um dann die etwa 1,5 ha große Wiese mäanderförmig abzusuchen. Schon nach etwa fünfzig Metern Flug­distanz konnte ich zwei helle Punkte am Bildschirm erkennen. Ich dirigierte Hans per Funkgerät zum ersten Punkt, der mir die Rückmeldung gab: „Ein Kitz!“ Nach dem Einfangen des Kitzes mit einem Jutesack wiederholte sich der Vorgang für den zweiten hellen Punkt – auch das zweite Kitz konnte gerettet werden! Das alles geschah noch während der ersten Überquerung der Wiese. Beim Rückflug, etwa dreißig Meter weiter links, kurz vor dem Wiesen­ende auf meiner Seite, wieder ein heller Punkt – ein drittes Kitz! Beim letzten Rückflug sah ich einen sehr kleinen hellen Punkt, kurzum dirigierte ich Hans dorthin. „Da ist nichts!“, drang es durch das Funk­gerät. „Doch, etwa dreißig Zentimeter vor dir muss etwas sein“, konterte ich. Hans bog daraufhin das Gras auseinander und rief plötzlich ...

Artikel in der aktuellen Ausgabe auf Seite 20. 

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