|
|
Jagdhund: Vom Wolf zum Hund
Dank der „Hundwerdung“ haben wir heute keinen Wolf, sondern einen treuen, zuverlässigen und angepassten Jagdbegleiter – den Jagdhund – an unserer Seite. Hier ein Einblick in die lange Entstehungsgeschichte des Hundes. Teil 1: Domestikation, Unterschiede, Entwicklungsphasen.
Noch vor nicht allzu langer Zeit war es umstritten, ob der Wolf wirklich der Vorfahre unseres Hundes wäre. Namhafte Wissenschafter des 20. Jahrhunderts wie zum Beispiel Konrad Lorenz vermuteten, dass beim Kojoten oder Goldschakal der Ursprung des Hundes zu finden sei – nicht zuletzt, weil diese Arten durchaus gewisse Ähnlichkeiten mit dem Hund aufweisen. Dank der Fortschritte in der Wissenschaft, insbesondere was die Untersuchung des Erbgutes betrifft, konnte aber aufgrund von DNS-Untersuchungen bewiesen werden, dass unsere Hunde tatsächlich vom Wolf abstammen. Je geringer der Unterschied des Erbgutes ist, desto enger ist der Verwandtschaftsgrad. Bei Wolf und Hund wurden nur 0,2 % Unterschiede bezüglich des Erbgutes gefunden. Beim Kojoten oder Schakal beträgt das unterschiedliche Genmaterial dagegen 4–5 %. Aber nicht nur genetisch, sondern auch in Bezug auf Aussehen, Verhalten und Wesen weisen Wolf und Hund die geringsten Unterschiede auf.
Wann wurde
der Wolf zum Hund?
Wann hat sich die Trennung von Wolf und Hund ereignet, und vor allem wie konnten sich daraus die bezüglich Aussehen, Größe, Farbe und Fellbeschaffenheit so unterschiedlichen Hunderassen entwickeln?
Wann genau und warum es zur Domestikation des Hundes kam, wird wohl noch lange ein
Geheimnis bleiben. Aber die neuesten Forschungsergebnisse der letzten Jahre haben schon viel Licht ins Dunkel gebracht. Früher wurde allgemein angenommen, dass die Domestikation des Hundes – das nachweislich älteste Haustier des Menschen – vor etwa 10.000 bis 12.000 Jahren erfolgte. Grund für diese Annahme war die Tatsache, dass bis dato keine älteren archäologischen Funde dafür sprachen, dass die Domestikation schon viel früher stattgefunden hätte. Andererseits kann es auch sein, dass damals der Knochenbau von Wölfen und Hunden noch sehr ähnlich war und somit bei archäologischen Funden nicht unterschieden werden konnte.
Nun hat sich herausgestellt, dass es sich bei einem Tierschädel, der schon in den 1860er Jahren in Belgien gefunden und damals für einen Wolfsschädel gehalten wurde, doch einem Haushund zugeordnet werden kann. Im Unterschied zum damaligen Wolf weist dieser Schädel eine deutliche Verkürzung und damit einen breiteren Fang auf. Somit entspricht er eher der Kopfform der damals „bärigen“ Hunde. Sie ist bis heute bei vielen nordischen Hunderassen erhalten geblieben. Nach modernsten Methoden ist das Alter dieses Schädels auf etwa 31.700 Jahre datiert worden. Somit ist dieser archäologische Fund der bisher älteste Nachweis eines Hundes. Auch die Begründung, dass Menschen Wölfe gezähmt und die verträglichsten Vertreter für verschiedene Zwecke und als Nahrungsquelle gehalten haben, wird heute infrage gestellt.
Es gibt mittlerweile eine Reihe anderer Untersuchungen und Erkenntnisse, die dafür sprechen, dass sich der Hund schon viel früher von seinem Vorfahren getrennt entwickelt hat. So wird heute vermutet, dass die Entwicklung des Hundes parallel zur kulturellen Entwicklung des Menschen stattgefunden hat. Und die Annahme, dass der Mensch allein für die Domestikation verantwortlich sei, gehört ebenfalls der Vergangenheit an. Wölfe waren offensichtlich einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um durch den Kontakt mit Menschen aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit die Grundlage für die Domestikation und somit die Entstehung des Hundes zu bilden. Man spricht heute auch von einer sogenannten „Selbst-Domestikation“ vom Wolf zum Hund ...
Dr. Gabriele Lehari
Den vollständigen Artikel finden Sie im aktuellen
auf Seite 40.
|
|

|
 |
 |
| |
Bezüglich des Erbgutes unterscheiden sich Wolf und Hund um nur 0,2%.
Foto Michael Breuer
|
|