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Nachhaltige Jagd hat viele Gesichter
Ob die Ausübung der Jagd nachhaltig, also auf Dauer möglich ist, hängt nicht nur vom Tun der Jäger ab. Wenn es um eine nachhaltige Nutzung der Kulturlandschaft zur Erhaltung der Biodiversität geht, müssen alle Landnutzer, die auf Wildtiere und deren Lebensräume Einfluss nehmen, mit in die Verantwortung genommen werden.
Prinzipien, Kriterien und Indikatoren zur Selbstbeurteilung für ein integratives nachhaltiges Wildtiermanagement richten sich nicht nur an den Jäger, sondern auch an andere Landnutzer, wie die Land- und Forstwirtschaft und das Management von Erholungs- und Freizeitaktivitäten. Diese können Wildtiere, deren Lebensräume und die Ausübung der Jagd maßgeblich beeinflussen – bewusst und unbewusst. Dies zu berücksichtigen war auch eine wichtige Forderung bei der internationalen Zukunftskonferenz über Kriterien und Indikatoren einer nachhaltigen Jagd, die am 25. 11. 2011 an der Universität für Bodenkultur in Wien stattfand (siehe 1/2012, Seite 44).
Im wurde über die seit 1992 bestehende, weltweite Entwicklung zur Erhaltung der Biodiversität durch nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen in mehreren Beiträgen berichtet und auf die Auswirkungen für eine zukunftsfähige Entwicklung der Jagd mehrfach hingewiesen ( 9/2001, 10/2003, 6/2005, 12/2008, 12/2009, 5/2010).
Zusammenschau wichtig
Die Überprüfung der ökologischen, ökonomischen und sozio-kulturellen Nachhaltigkeit des vielseitig vernetzten Querschnittsthemas "Jagd, Wildtiere und ihre Lebensräume" ist außerordentlich komplex. Wildtiere (Arten, Populationen, Individuen, Lebensräume, genetische Vielfalt) werden neben der Jagd von vielen anderen Landnutzungsaktivitäten beeinflusst, die sich im Wildlebensraum vielfach überlagern und oftmals miteinander konkurrieren. Insbesondere in Kulturlandschaften mit Mehrfachnutzung,
wie in Mitteleuropa, können die Wechselwirkungen zwischen den Lebensraumansprüchen von Wildtieren, jagdlichen Nutzungsinteressen und anderen Landnutzungsansprüchen oftmals zu Konflikten führen, die der nachhaltigen
Erhaltung heimischer Wildtierarten und ihrer Lebensräume, der Nachhaltigkeit der beteiligten Landnutzungen und einer nachhaltigen regionalen Entwicklung
insgesamt abträglich sind. Sektorale Nachhaltigkeitsansätze allein sind unzureichend und können sogar unbeabsichtigte negative Auswirkungen auf andere Landnutzungen und auf das
betreffende Ökosystem haben. Der nachhaltige Umgang mit Wildtieren kann letztlich nur gelingen, wenn alle im Wildlebensraum agierenden Nutzergruppen sich der Auswirkungen ihrer Tätigkeiten auf die Ressource "Wildtier" sowie auf die jeweils anderen Nutzergruppen bewusst sind.
Die aus Prinzipien, Kriterien und Indikatoren bestehenden Bewertungssets (PKI-Sets) für die vier unterschiedlichen Nutzergruppen (Prinzipien siehe Tabellen rechts) sollen folgende Aufgaben erfüllen:
• die Selbstüberprüfung der Nachhaltigkeit der eigenen Tätigkeiten in Bezug auf Wildtiere, Habitate und die Jagd bzw.
andere Nutzungsansprüche ermöglichen;
• die Analyse von individuellen Stärken und Schwächen unterstützen;
• Hilfestellung bei der Berücksichtigung der eigenen Einflüsse auf Wildtiere, Lebensräume und nachhaltige Jagd bieten;
• die Ableitung von Maßnahmen zur Optimierung der Nachhaltigkeit erleichtern;
• Fortschritte bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsanforderungen messen (Erfolgskontrolle);
• das Monitoring von Nachhaltigkeitsveränderungen ermöglichen;
• zum Hinterfragen der eigenen Landnutzungspraxis anregen (Bewusstseinsbildung, Lerneffekt).
Primär soll den Verantwortlichen der Bezugseinheit ein Instrument in die Hand gegeben werden, um auf transparente Weise prüfen zu können, wie nachhaltig die eigene Handlungsweise im Hinblick auf das zu bewertende Thema "Wildtiere, Wildtierlebensräume und Jagd" ist. Das Bewertungssystem soll dazu beitragen, Wildtiere und deren Management möglichst konfliktfrei in eine nachhaltige Landnutzung zu integrieren und den Mehrwert einer ganzheitlichen, interdisziplinären Maßnahmenabstimmung zu nutzen ...
Univ.-Prof. Dr. Friedrich Reimoser
Den vollständigen Artikel
finden Sie im aktuellen auf Seite 9.
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Ob die Ausübung der Jagd nachhaltig, also auf Dauer möglich ist, hängt nicht nur vom Tun der Jäger ab.
Foto Franz Bagyi
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