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Biodiversität & Beutegreifer
Die Vielfalt der Arten, Gene und Ökosysteme (Biodiversität) wurde und wird durch den Einfluss des Menschen stark verändert – bewusst wie auch unbewusst. Geht es um Wild, so stehen oft die Beutegreifer in Diskussion, insbesondere die Großraubtiere, deren Schutzbedarf, Nutzungsmöglichkeit und
Regulationsnotwendigkeit. Meist dominieren dabei einseitige, ideologisch motivierte Argumente. Bei einem sachlichen, ökologischen Zugang ließe sich so mancher Streit vermeiden. – Im Jahr der Biodiversität dazu einige Anhaltspunkte.
Nach aktuellem internationalem Standard dient jede Nutzung biologischer Ressourcen – sofern sie nach den Regeln der Nachhaltigkeit erfolgt – der Erhaltung der Biodiversität. Wenn Populationen von Pflanzen oder Tieren in einem guten Erhaltungszustand bewahrt werden, so vital, dass sie nachhaltig, also jetzt und gleichermaßen auch von zukünftigen Generationen, genutzt werden können, so ist dies der beste Schutz für die Ressource.
Braucht Biodiversität überhaupt eine Nutzung oder Regulierung?
Nachhaltige Nutzung setzt zuerst den Schutz der Ressource voraus. Die grundsätzliche Nutzungsmöglichkeit schafft dabei zusätzlich sozio-ökonomische Anreize für die Erhaltung der Ressource. "Schutz durch Nutzung" ist über die Brücke der Nachhaltigkeit möglich und erwünscht, um so Biodiversität zu sichern (siehe dazu auch WEIDWERK 5/2010). Selbstverständlich kommt es vor, dass manche Arten, deren Populationen nicht mehr
vital sind, die Lebensraum verloren haben und nur mehr spärlich vorhanden sind, aus der Nutzung genommen werden müssen. So lange bis sie wieder vital sind, um dann nachhaltig genutzt werden zu können (oder zum Schutz gefährdeter Arten reguliert werden zu müssen). Ziel ist aber stets die Erhaltung oder Wiederherstellung der Nutzungs- bzw. Entnahmemöglichkeit, nicht der generelle Nutzungsverzicht auf ewige Zeiten. Dies gilt auch für Beutegreifer.
Wenn es um die Bejagung von Beutegreifern geht, kommen Jäger leicht in Erklärungsnotstand. Wenn sie aber eine nachhaltige Jagdausübung nachweisen, so tragen sie offiziell zum Naturschutz bei und sind gesellschaftlich akzeptiert. Jeder Jäger kann sich selbst auf seine Nachhaltigkeit überprüfen: "Nachhaltigkeit der Jagd – Prinzipien, Kriterien und Indikatoren" (Agrarverlag, ISBN 3-7040-2202-0, oder www.biodiv.at/chm/jagd). In diesen Regeln ist auch das Verhalten des Jägers
gegenüber Beutegreifern thematisiert. Akzeptanz und positive Wertschätzung der bei uns natürlich beheimateten Beutegreifer sind dabei primär maßgeblich. Dies gilt es über die Einhaltung der Nachhaltigkeitsregeln nachzuweisen und auch im regionalen Gesellschaftskreis glaubwürdig zu leben und zu vermitteln.
Großraubwild – heilige Kühe?
Bezüglich des Umgangs mit Großraubwild (Bär, Wolf, Luchs) sind die Fronten verhärtet, und es scheint kaum eine einvernehmliche Lösung zu geben. Unterscheidet sich Österreich hier von anderen Ländern? Die Stimmung ist in den meisten mitteleuropäischen Ländern ähnlich. Gerade beim Großraubwild behindern die traditionellen Einstellungen, Emotionen und die oft einseitigen Schutzvorstellungen vernünftige, zeitgemäße Lösungen. Hier hat man oft den Eindruck, es gehe eigentlich mehr um ein gesellschaftspolitisches Machtgerangel zwischen Landnutzern und Naturschutzorganisationen als um die eigentliche Erhaltung von Bär, Luchs und Wolf im Alpenraum und in Europa. Nach aktueller
internationaler Naturschutzausrichtung müsste das längst nicht mehr so sein. Einer zukünftig nachhaltigen Regulierung und Nutzung auch der Großraubtiere sollte grundsätzlich nichts im Wege stehen, sobald eine Population wieder gesichert und in ihrer Reproduktion vital ist. Wenn das so in Aussicht gestellt würde, dann wäre das Ziel der Erhaltung und Ausbreitung dieser Arten leichter erreichbar und die "Feindbildpflege" zwischen den Interessengruppen würde reduziert ...
Univ.-Prof. DI Dr. Friedrich Reimoser,
Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie
der Vet.-Med. Universität Wien
Den vollständigen Artikel finden Sie im aktuellen
auf Seite 12.
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Einer nachhaltigen Regulierung und Nutzung
der Großraubtiere sollte nichts im Wege stehen, sobald eine Population wieder gesichert und in
ihrer Reproduktion vital ist.
Foto Wolfgang Radenbach
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