Aktuelles Heft

 

| Die Fotostory im Februar |



 

 



Ungewöhnlicher Kampf?

Es ist Mitte Februar, und seit Tagen ist es bitterkalt. Auch an diesem Morgen hat es sage und schreibe –19 °C. Doch dieser Morgen wird nicht wie alle vorigen sein. – Ein Kampf zwischen zwei Bastböcken entbrennt, dass die Fetzen nur so fliegen.

Gegen 5 Uhr früh klettere ich in den Erdsitz. Leichter Nebel und Schneefall lassen den Waldrand etwa sechzig Meter vor mir eher erahnen als erkennen. Schon seit Tagen füttere ich die Rehe in diesem Waldgebiet mit Apfeltrester, denn darunter ist auch ein etwa sechsjähriger Rehbock, den wir schon mehrere Jahre lang kennen und der auch heuer wieder ein sehr gutes Geweih schiebt.
Fast auf die Minute pünktlich erscheinen die ersten Rehe um 6 Uhr morgens am Waldrand und ziehen sofort zum frischen Apfeltrester. Zwei Geißen mit je zwei Bock- bzw. Geißkitzen sind es, die sich nun das Saftfutter schmecken lassen.
Da der leichte Nordwind vom Wald zu mir herweht, bekommen sie von mir in meinem Versteck nichts mit und äsen in aller Ruhe nur etwa dreißig Meter entfernt. Wie ich es erwartet habe, ziehen sie zwanzig Minuten später wieder in den Wald zurück. Aber sie werden bald wieder zurückkommen.
Zwei Stunden sind vergangen, es ist inzwischen hell geworden, als am Waldrand wieder die ersten Rehe zu sehen sind. Ohne lange zu sichern, überspringen sie den kleinen Graben und ziehen erneut zur Fütterung. Es sind die gleichen sechs Rehe wie vor zwei Stunden, aber im Schlepptau zieht diesmal der erwartete Bock hinterher. In aller Ruhe strebt er der Fütterung zu, und das dort äsende Bockkitz macht ihm bereitwillig Platz. Bei gutem Tageslicht kann ich ihn in aller Ruhe betrachten und einige Bilder machen.
Nach und nach erscheinen noch einige Rehe auf der Bildfläche, als der Bock plötzlich aufwirft und lange in eine Richtung sichert. Ich folge seinem Blick und erkenne etwa hundert Meter entfernt
am Waldrand einen anderen Bastbock. Einige Zeit sichert dieser in Richtung Fütterung, dann zieht er auf sie zu.

Dass der Schnee nur so fliegt!
"Mein" Bock zieht ihm entgegen, und dann stehen sie einander auf eine Entfernung von etwa zehn Meter gegenüber. Was sich nun abspielt, habe ich bisher nur zur Blattzeit im Hochsommer
beobachten können. Beide plätzen abwechselnd mit einem Vorderlauf, dass der Schnee nur so wegfliegt. Jeder zeigt dem anderen die Breitseite, sie umkreisen einander und springen plötzlich mit gesenkten Häuptern aufeinander los.
Meist bremsen sie, bevor sie sich mit den Baststangen berühren, jäh ab, sodass der lockere Schnee hochgeschleudert wird, aber zwei- bis dreimal stoßen sie doch mit den Bastgeweihen zusammen. Und wieder: Rückwärtsgehen, Plätzen, Breitseitezeigen und aufeinander Losstürmen, dass zum Teil alle vier Läufe in der Luft sind, Abbremsen und wieder Plätzen – einmal mit dem rechten, dann mit dem linken Vorderlauf. Zusätzlich stecken beide das Haupt tief in den lockeren Schnee und schieben ihn wie ein Schneepflug vor sich her. All das gehört zum Repertoire der beiden Kontrahenten. Das Ganze dauert etwa zehn Minuten lang, und der deutlich schwächere Bock (nicht körperlich, sondern nur in puncto Geweih) zieht sich rückwärts an den Waldrand zurück. Dort wird noch einige Male durch Plätzen das Altgras weggeschleudert, bevor er im Wald verschwindet. Auch "mein" Bock zieht an anderer Stelle in den Wald hinein, und so endet das Geschehene. Dem Geweih des guten Bockes hat dieses "Aufeinandertreffen" nicht geschadet. Ich kann ihn die nächsten Wochen an der Kirrung noch oft beobachten und habe sogar das Glück (und die Ausdauer), ihn am 19. März mit frisch verfegten, noch roten Stangen auf kurze Distanz zu sehen ...

Den vollständigen Artikel
finden Sie im aktuellen auf Seite 20.




 

 

Ungewöhnlicher Kampf zweier Bastböcke.
Fotos Dieter Hopf